Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Einen Fuß vor dem Andern, manchmal einfach nur voran, manchmal einem festen Ziel entgegen. Ein Weg, der in eine neue Zukunft führt oder ein Weg, die Welt zu erobern. Ein Weg der Strategie oder der Erleuchtung. Vielleicht auch ein weiter Weg zurück nach Hause.
In der Geschichte haben Menschen beeindruckende Wege hinter sich zurückgelegt.
Der erste Weltreisende
Der erste aufrecht gehende Mensch, der Vorfahre des Homo Sapiens, machte sich seinerzeit auf dem Weg, den Kontinent Afrika zu verlassen und eine neue Welt zu entdecken. Ob aus Gründen der Nahrungssuche oder dem Wunsch nach Abenteuer ist nicht bekannt. Aus historischen Ausgrabungen weiß man, dass dieser Mensch bereits hochentwickelt war. Er besaß bereits anspruchsvolle Steinwerkzeuge. Er wurde zum Homo Ergaster (griechisch für „der arbeitende Mensch“), dem ersten Weltreisenden. Dies geschah vor 1,9 Millionen Jahren. Seine Wege führten nach Europa, dem Kaukasus und bis nach China.
Homo ergaster: Wie der erste Migrant der Welt lebte – [GEO]
Handelsrouten und Römerstraßen

Mit der Erfindung des Rades taten sich auf einmal gewaltige Möglichkeiten auf. Mussten bisher Besitztümer am eigenen Leib oder mittels Lasttieren, z.B. Eseln beschwerlich über Stock und Stein transportiert werden, so entstanden erste Überlegungen zum Bau von Transportmitteln wie kleinen Transportwägen und Lastkarren. Und damit auch zwangsläufig die ersten befestigten Wege. Aus Trampelpfaden wurden so im Laufe der Jahrhunderte mit Schotter und Holz befestigte Handelsstraßen. Die alten Babylonier entwickelten ca. um 4000 v. Christus erste Pflasterstraßen und revolutioniert wurde das Straßennetz später durch die Römer, die ein strategisches Straßennetz anlegten, dass durch das ganze Imperium führte.
Auf dem Höhepunkt des Römischen Reiches um 100 vor Christus existierte eine Straßennetz von gigantischen 65.000 km an gepflasterten Straßen vom Atlantik bis nach Vorderasien. Daher entwickelte sich der Ausspruch „alle Wege führen nach Rom“. Und das Reisen wurde sicherer, da man sich innerhalb des Imperiums auf den Ausspruch „Ich bin ein Bürger Roms“ berufen konnte und damit zumindest in der Theorie unbehelligt reisen konnte. Leider war man auch im Hinterland nicht vor Räubern und Wegelagerern gefeit.
Und mit dem Straßennetz kamen die ersten Verkehrsregeln auf. Dies war unvermeidbar, da die Einwohnerzahl Roms stetig zunahm. Und mit ihr die Anzahl an Reisenden, Migranten, Sklaven, Haustieren und Verkehrsmitteln. Die Stadt platzte aus allen Nähten und die Straßen waren überfüllt mit Menschen, Transportwagen und es bildeten sich Staus und Verkehrschaos. Lustigerweise waren auch schon damals Poser mit luxuriösen Wagen unterwegs, die ihren Reichtum zur Schau stellten. Die Angelegenheit wurde so dringend, dass Julius Cäsar sich höchstpersönlich Gedanken zu Verkehrsregeln machte. Im Jahr 45 v. Chr. entwickelte er die „Lex Iulia municipalis“ mit Regeln zur Verringerung des Straßenaufkommens.
Wer heutzutage in Rom unterwegs ist, spürt nicht mehr viel von diesen strengen Verkehrsregeln. Gelb ist das neue Grün! Schalten die Ampeln um, so fahren alle Autos gleichzeitig los in den Kreisverkehr. Ziel ist, sich stückweise zur gewünschten Ausfahrt zu manövrieren. Um dies zu verdeutlichen, ist ständiges Hupen unerlässlich. Der Italiener ist impulsiv, er gestikuliert, er schreit, er lacht und interpretiert Verkehrsregeln nach Lust und Laune. Wer nicht über starke Nerven verfügt, sollte sich nicht an die Teilnahme am italienischen Straßenverkehr wagen!
Römisches Straßennetz 100.000 Kilometer länger als bislang vermutet – [GEO]
Staus, Raser, Poser: Wie Caesar den Verkehr im antiken Rom regelte
Über die Alpen
Lange vor dem vorstehend beschriebenen ausgebauten Straßennetz, genauer gesagt im Jahre 218 v. Christus gelang einem Feldherren eine logistische Meisterleistung. Wie kam es dazu? Im 1. Punischen Krieg eroberte Rom den Mittelmeerraum und nahm fortan die Vormachtstellung ein. Karthago, bisheriges Handelszentrum war dadurch extrem geschwächt und musste sich den Römern unterordnen. Der Sohn des karthagischen Generals wuchs angesichts dessen mit brennendem Hass auf Rom auf. Und er schmiedete 20 Jahre später einen raffinierten Plan. Der karthagische Herrführer hieß Hannibal und plante eine Alpenüberquerung über die Gipfel der 3.000 m hohen Berge, irgendwo in der Nähe des Matterhorns oder Col de la Traversette mit sage und schreibe 37 Elefanten, 50.000 Mann starker Armee sowie 9.000 Reitern.

Warum dieser Weg? Nun, das Mittelmeer war komplett in römischer Hand und eine Schlacht hier aussichtslos. Ein Angriff auf dem Landweg über die flache Po-Ebene wäre wohl kurzfristig aufgeflogen. Bliebe nur der gefährlichste, undenkbarste, überraschendste Weg über die Alpen.
Die Alpenüberquerung dauerte 16 Tage und kam für die Römer völlig unerwartet, rechneten sie doch niemals mit einem Angriff von dieser Seite. Der Auf- u. Abstieg war beschwerlich, schlechtes Wetter, loses Geröll, Schneewehen und rutschige Hänge, all das ist schriftlich überliefert. Ein überragender Sieg über die Römer hätte die Geschichte wohl nachhaltig verändert. Eine erste Schlacht wurde siegreich geschlagen, jedoch schmolz die Armee Hannibals durch die Strapazen der Reise und der Alpenüberquerung auf fast die Hälfte. Jedoch konnte er die römische Armee einige Jahre in Schach halten.
Im Jahr 207 v. Christus versuchte Hannibals Bruder, mit einer zusätzlichen Armee seinem Bruder zu Hilfe zu kommen, wurde aber vernichtend geschlagen. Hannibal kehrte daraufhin nach Karthago zurück. Da die karthagische Bevölkerung hohe Kriegsreparationen an Rom leisten musste, sank nach und nach das Ansehen an den Feldherren. Er ging ins Exil nach Kleinasien.
Was zurück bleibt in der Geschichte ist das Vermächtnis eines strategischen Meisterstücks.
Wer heute in den Alpen wandern geht, kann sich dieses logistische Unterfangen niemals vorstellen. Und angesichts von kleinen geführten Wanderrouten in den heutigen Alpen kann Hannibal aus seinem Grab nur müde lächeln.
Alpenübergang: Mit diesem Geniestreich schockierte Hannibal die Römer – WELT
Pilgern auf dem Jakobsweg
Jährlich pilgern nahezu 500.000 Menschen auf den Spuren des Apostels Jakobus auf dem Jakobsweg nach Santiago De Compostela. Im Jahr 1987 waren es noch jährlich 3000 Menschen. Wo genau der Jakobsweg beginnt, ist nicht genau bekannt. Die Route ist aber anhand historischer Daten belegt. Die Handelsrouten des Mittelalters, das historische Postnetz, die Standorte der Klöster, Herbergen und Gaststätten für Reisende ist dokumentiert. Letztendlich bleibt es jedem Pilger selbst überlassen, welchen Streckenabschnitt er gehen möchte, ob 800 km oder 300 km.
„Der Weg beginnt bei dir Zuhause.“
oder „El camino comienza en su casa“ (in Spanien geläufige Antwort auf die Frage, wo der Jakobsweg beginnt)
Woher kommt diese Faszination? War es früher eine Pilgerreise aufgrund des katholischen Glaubens, so überwiegt wohl heutzutage die Suche nach der spirituellen Erfahrung. Die innere Einkehr entlang des Weges, die Auseinandersetzung mit sich selbst, die körperlichen Strapazen, die mentale Belastung und am Ende die Ankunft in der beeindruckenden Kathedrale von Santiago De Compostela. Viele Pilger berichten von ihren persönlichen „Erleuchtungen“ beim Gehen des Weges. Egal ob Katholik, Andersgläubiger oder Atheist.
wo beginnt der jakobsweg: Dein perfekter Start – Jakobsweg Spanien
Mount Everest

Anders als der Weg der auf die Suche nach spiritueller Weisheit abzielt, gibt es auch den sportlichen Weg zum sog. Dach der Welt. Gut 8.848 m hoch und gebettet in ein Bergmassiv im Himalaya zieht es jährlich an die 700 bis 800 Menschen zum höchsten Aussichtspunkt der Erde. Was treibt diese Menschen an? Ist es die sportliche Herausforderung? Das Risiko? Oder die Ausnahmeerscheinung, unter den Glücklichen zu sein, dies zu erleben. Denn dieses Unterfangen ist nicht günstig. Es gibt Touren, die bis zu 100.000,00 EUR kosten. Dafür gibt es auch diverse Reiseerleichterungen, z. B. Sherpas, die für einen die Sauerstoffflaschen und das ganze Equipment tragen. Die das Basislager so gemütlich wie möglich gestalten. Jedoch können auch diese nicht die Strapazen der Bergbesteigung abnehmen. Die Schritte zum Ziel muss der Bergbezwinger dann doch noch selbst gehen.
Es gibt nur ein geringes Zeitfenster, an dem jedes Jahr die Bergbesteigungen stattfinden. Genaugenommen etwa 7 bis 12 Tage. Und auch hier wird die Wetterlage geprüft, wann die Besteigung am Erfolgreichsten ist. Dies führt dazu, dass alle diese 700 bis 800 Menschen an vielleicht 4 Tagen im Jahr dicht gedrängt gleichzeitig zum Gipfel aufbrechen. Eine dichte Menschenschlange im Schnee, die warten, um ihre 2 Minuten auf dem Gipfelpunkt auszukosten und ein Foto zu machen. Danach muss man wieder absteigen. Die nächsten in der Schlange warten schon. Ist dies die ganze Anstrengung wert?
Es gibt eine weitere traurige Statistik. Von den 700 bis 800 Menschen der jährlichen Bergsteiger werden ca. 5 Personen den Gipfel nicht erreichen und vorher leider ihr Leben lassen. Aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen, Erschöpfung oder Fallen in Gletscherspalten. Mittlerweile haben fast 350 Menschen Ihr Leben am Berg verloren, von insgesamt 6.000 Personen, die den Berg bestiegen. Die meisten Leichen werden ewig dort bleiben, da eine Bergung der Körper zu gefährlich ist.
Makaber, manche Leichen dienen als Wegweiser, die Bergsteiger gehen direkt an ihnen vorbei.
Eine weitere Tatsache, jedes Jahr werden Unmengen von Müll und Fäkalien am Berg zurück gelassen. Da erscheint das erhobene Müllpfand von 4.000,00 US-Dollar pro Expedition absolut gerechtfertigt.
Mount Everest: 15 bemerkenswerte Fakten | alpin.de
Über Leichen steigen? Die vielen Toten auf dem Mount Everest – Sport – derStandard.de › Sport
Erste Schritte auf dem Mond

Am 21. Juli 1969 gewannen die USA den Wettkampf gegen die Sowjets und erreichten als erste Menschen den Mond. Neil Armstrongs Satz von damals ging in die Geschichte ein: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen – aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Eigentlich wäre Buzz Aldrin dazu bestimmt gewesen, die ersten Schritte auszuführen, aber er überließ seinem Kommandanten den Vortritt. Er bekam kalte Füße angesichts des Ausmaßes des Ereignisses.
Die beiden Astronauten blieben ca. 2 Stunden auf dem Mond, sammelten Bodenproben ein, machten Fotos und hinterließen gefüllte Urinbeutel auf der Mondoberfläche nach Ihrem Wiedereinstieg in die Raumkapsel. Der Mensch hinterlässt seine Spuren, wo auch immer er ist, das Umweltbewusstsein ist oftmals zweitrangig, ob im Weltall oder auf dem Mount Everest. Der dritte Mann der Besatzung, Michael Collins, geht in der Geschichte fast unter. Ist er überhaupt ausgestiegen und auf dem Mond gewandert?
Kurios ist auch, dass auf der Apollo 14-Mission im Jahr 1971 eine Bibel im Mikroformat auf dem Mond abgelegt wurde. Vielleicht war ein Mitglied der Zeugen Jehovas an Bord?
Neil Armstrong 1969 auf dem Mond: „Sprung für die Menschheit“ | ndr.de
Zurück nach Hause
Im Jahr 1949 gelang dem deutschen Soldaten Clemens Forell (richtigerweise Cornelius Rost) die Flucht aus einem sowjetischen Gefangenenlager in Sibirien. Wie ca. 3,5 Millionen andere Soldaten wurde er nach der Kapitulation Nazideutschlands in 1945 zur Zwangsarbeit verurteilt und in eines der vielen Gefangenenlager nach Sibirien deportiert. Ihm gelingt die Flucht und er macht sich zu Fuß auf seinen Heimweg nach Deutschland. Seine Reise dauert mehr als 3 Jahre und er legt insgesamt über 14.000 Kilometer zurück. Auf seiner Reise helfen ihm Rentierhirten, Pelztierjäger und immer wieder Einheimische.
Manches Mal erscheint ihm die Lage aussichtslos und er möchte aufgeben. Woher nimmt der Mensch die Kraft, immer weiter zu gehen obwohl die Schmerzen grenzenlos sind und die Lage aussichtslos ist? Man leidet Hunger, hat unbändige Angst vor Bedrohung und Tod, die ständige Kälte fühlt man in allen Gliedern und trotzdem schafft man das Undenkbare. Kurz vor Weihnachten 1952 kommt er in München an. Ein außergewöhnliches Weihnachtswunder!
Das Schicksal wurde als Roman veröffentlicht unter dem Titel „Soweit die Füße tragen“ und auch mehrmals verfilmt. Ich habe das Buch vor Jahren gelesen und kann es nur empfehlen.
Totentanz-Magazin – Bauer, Josef Martin – So weit die Füße tragen
Welchen Weg wärst du selbst bereit zu gehen?
Über Anmerkungen zu meinen Gedanken würde ich mich sehr freuen, auch Kritik ist jederzeit willkommen!






















