
Es heißt, die Seele im Universum sucht sich die Familie aus, in der sie Mensch werden will.
In der Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch ist es der göttliche Funke, der von Engeln ausgeführt wird und den göttlichen Plan erfüllt.
Und damit startet mit der Fleischwerdung das, was man Familie nennt. Die Verbindung von Samen und Eizelle zweier Lebensgefährten zur nächsten Generation. Familie anhand der Blutlinie. Die biologische Familie.
Daneben ist Familie aber auch jede andere gegründete Lebensgemeinschaft von Personen, die sich aus freiwilligen persönlichen Gründen zusammen schließen und nach Außen als Lebensgemeinschaft auftreten. Eine Person + eine unbegrenzte Anzahl von Personen
Der Begriff Familie
Der Begriff Familie ist abgeleitet aus dem lateinischen „familia“ und heißt übersetzt soviel wie „vielschichtig“. Daraus folgt, der Begriff war nie eindeutig auf die Kerngemeinschaft Vater-Mutter-Kind beschränkt. Dies wurde uns von Staat und Kirche so vermittelt aus vermeintlich sittlichen Gründen. Der Staat braucht regelmäßig neue Staatsbürger und spätere Steuerzahler und die Kirche „erlaubte“ Geschlechtsverkehr nur zu Zeugungszwecken.
Also sind Familie ebenso gleichgeschlechtliche Paare, Patchwork-Stieffamilien, Fernbeziehungen, eheliche und nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende mit leiblichen, adoptierten oder Pflegekindern, Regenbogenfamilien (gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern) sowie Empty-Nest-Paare (ungewollt kinderlose Paare). Auch eine Wohnungsgemeinschaft zwischen platonischen Freunden kann Familie sein. Die juristische Bezeichnung „Angehöriger“ bezieht sich auf die Gewährung von Privilegien, die einem fremden Dritten außerhalb dieser Gemeinschaft nicht zugestanden werden, z.B. Wohnrecht, Erbrecht. So lautet zumindest die juristische Definition für Angehörige.
Bei in Kraft treten des bürgerlichen Gesetzbuches am 01. Januar 1900 im wilhelminischen Kaiserreich wurde als Familienoberhaupt der Vater gesetzlich bestimmt. Damit oblag die Entscheidungsgewalt über die Familie alleine dem Vater. Er bestimmte, wo man wohnte, wofür Geld ausgegeben wurde und verwaltete das Familienvermögen.
Bis zum Jahr 1958 hatte der Mann die alleinige Entscheidungsgewalt über die Finanzen! Unfassbar! Und der Mann konnte entscheiden, ob seine Frau eine Arbeitsstelle annehmen durfte! Erst ab dem Jahr 1958 hatten Frauen ein gesetzliches Recht, ein eigenes Konto zu eröffnen und zu verwalten. In vielen patriarchalischen Familien bestimmt heutzutage noch immer das älteste männliche Familienmitglied alles in und um die Familie. Eine schreckliche Vorstellung!
Erziehung und Werte
Die Familie, in die wir hinein geboren werden, prägt uns von Anfang an bewusst und unbewusst. Im Laufe unseres Heranwachsens übernehmen wir von unseren Eltern Traditionen, Werte, Weltbild, Konfliktbewältigungsstrategien und Prägungen, die unsere Eltern ihrerseits von deren Eltern übernommen haben. Da werden Konflikte lauthals ausgetragen, in einer anderen Familie schweigt man sich gegenseitig an und Konflikte gären im Untergrund weiter. Mancherorts herrschen strenge Regeln, feste Essenszeiten, frühes Zubettgehen, wenig materielle Geschenke. Anderenorts ist Kind König und bestimmt Tagesablauf und degradiert seine Eltern zu Untertanen. Lieber autoritär oder antiautoritär erziehen?
All dies wird uns zeitlebens prägen. Fühlen wir uns angenommen von jedem Elternteil, dürfen wir uns entwickeln, werden wir aufgrund unserer Individualität geschätzt, unsere Fehler akzeptiert? Ist unser Elternhaus ein Ort wo wir uns wohlfühlen und löst der Gedanke an unsere Eltern eine innere Wärme aus? Denken wir gerne an unsere Kindheit zurück?
Wird der Bruder oder die Schwester bevorzugt, weil er oder sie schöner, erfolgreicher ist? Drängen uns die Eltern in eine Konkurrenzkampfsituation? Wer ist das Lieblingskind? Kann ein Geschwisterkind die Eltern emotional leichter manipulieren um an das jeweils Gewünschte zu kommen?
Auch wenn Eltern behaupten, dass sie keine Unterschiede zwischen ihren Kindern machen, ist doch wissenschaftlich was anderes bewiesen. Liebevolle Eltern werden dies jedoch nie zugeben und leugnen. Jeder Elternteil hat unterbewusst ein Kind lieber, das Kind das einem selbst am Ähnlichsten ist. Dabei wird nicht nach Geschlecht unterschieden. Also doch „Muttersöhnchen“ und „Papas Mädchen“?
Wahlverwandtschaften
Mit der Auswahl unseres Lebenspartners treten auch andere Angehörige in den Dunstkreis unserer neu gegründeten Familie. Und diese Personen empfinden wir als Bereicherung oder Belastung. Sei es die einmischende Schwiegermutter, der sympathische Schwager, der lustige Schwiegeronkel, die verbissene Schwägerin. Ebenso Kinder des Partners aus früheren Beziehungen und damit verbunden auch immer wieder die Ex-Partner im Schlepptau.
Alle diese Personen werden regelmäßig unseren Alltag beeinflussen, mal mehr mal weniger.
Nimmt man das ganze Paket dazu in Kauf?
Der eigene Partner muss schließlich ebenso klar kommen mit seinen Schwiegereltern, der pflegebedürftigen Oma, dem neugierigen Onkel.
Verlust von Familienmitgliedern
Der Verlust von Familienmitgliedern ist immer schmerzhaft. Die Auflösung der Großeltern- und Elterngeneration rückt einen selbst gefühlt in die Nähe der Sterblichkeit. Der Tod der eigenen Kinder (auch der ungeborenen) nimmt den unbeschwerten Blick auf die Zukunft, die logische Rangfolge des Ablebens ist unterbrochen.
Die Scheidung vom Partner erzeugt Konflikte, Schuldzuweisungen und auch Schuldgefühle. Nur selten gelingt es getrennten Partnern, sich einvernehmlich zu einigen. Sei es im Hinblick auf Sorgerecht und Besuchsrecht für die Kinder oder gütlicher Trennung des Hausstandes und Eigentums. Respektvoller Umgang mit Menschen, Gefühlen und Besitzwerten.
Niemals auf dem Rücken der Kinder Rachegefühle und Schuldzuweisungen abladen! Wer Kinder als Werkzeug seiner eigenen geistigen Unzulänglichkeit benutzt ist in meinen Augen kein geeigneter Erziehungsberechtigter!
Der trennende Partner wird Schuldgefühle entwickeln, ob seine Entscheidung richtig war. Ihm wird von Außen vorgeworfen werden, das Familienglück aus vermeintlich selbstsüchtigen Gründen zerstört zu haben. Versagensängste und Schuldgefühle sind bei Trennungen von toxischen und gewalttätigen Personen sehr häufig anzutreffen. Warum habe ich mich nicht früher getrennt? Warum mussten meine Kinder dies alles mit ansehen/erdulden?
Dem verlassenen Partner wird die Entscheidung abgenommen. Er hat sein Schicksal zu akzeptieren. Das Selbstbewusstsein schwindet, war man nicht gut, schön, begehrlich, fürsorglich, wertvoll genug? Wann war die Beziehung am Kippen, während man selbst die Anzeichen nicht sah? Hat man den Partner als selbstverständlich angenommen oder war die Brille zu rosarot?
Was macht Familie im Idealfall aus?
Geborgenheit und Unterstützung
Menschen, die gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen
Liebevoller Zuspruch und tröstende Worte
Sicherheit und Schutz
Vermittlung von Liebe

Ist deine Familie dein geistiges Zuhause?