Zeit vergeht

Momo und die grauen Herren

“ Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt.

Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende

Das Mädchen Momo hat viel Zeit. Sie ist ganz allein auf der Welt, haust in einem alten Amphitheater und weiß nicht, wie alt sie ist. Vielleicht hundert, vielleicht hundertzwei? Sie weiß nur, dass sie immer schon da war. Und sie nimmt sich gerne die Zeit zuzuhören, wenn andere ihr was erzählen. Sie hat die Gabe, so gut zuzuhören, dass ihr jeder sein Innerstes offenbart. Alle lieben Momo.

Der Alltag ist schön für Momo. Sie braucht nicht viel zum Leben.

Doch plötzlich tauchen die grauen Herren auf. Sie machen den Menschen um Momo herum ein interessantes Angebot: Die Menschen sollen soviel wie möglich an Zeit sparen und diese bei der Zeitsparkasse für Zins und Zinseszins für einen langen Zeitraum anlegen. Unter dickem Zigarrenrauch erläutern die grauen Herren die Vorteile der gesparten Zeit.

In Momos Umfeld wird es turbulent. Jeder beginnt nach und nach hektisch zu werden. Keiner hat mehr Zeit für ein Gespräch. Der Friseurmeister schneidet die Haare von nun an in der Hälfte der Zeit und aus der Pizzeria, wo alle vorher gemütlich stundenlang beisammen saßen, wird ein Schnellimbiss. Beeil dich, Zeit ist Geld! Darum gehts!

Zeit ist Geld, Zeit ist Geld. Wir haben keine Zeit, Zeit zu vertrödeln!

Alles pressiert und je mehr sich die Leute abstrampeln und versuchen, ihre Termine zu erledigen und immer mehr Zeit zu sparen, umso einsamer und verschlossener werden sie. Je trauriger die Menschen werden, umso zahlreicher werden die grauen Herren und über dem Ort hängt tief der Zigarrenrauch.

Was vorher keiner weiß, die grauen Herren existieren gar nicht richtig. Sie leben durch die gestohlene Zeit der Menschen. Aus den gesparten Stunden werden die Stunden-Blumen hergestellt, daraus die Zigarren, die die grauen Herren rauchen. Solange die grauen Herren ihre Zigarren rauchen, bleiben sie existent.

Momo schafft es mit Hilfe des Meisters Hora, der die Zeit für eine Stunde anhält, die gestohlenen Stunden-Blumen aus dem Tresor der grauen Herren zu retten und den Menschen zurück zu geben. Ohne Stunden-Blumen keine Zigarren und damit kein Überleben, die grauen Herren lösen sich in Luft aus. Die Zeitblase ist geplatzt.

Zeit und Arbeit

Die Zeit vergeht, immer, ständig, jeder Augenblick geht vorbei und ist nicht mehr. Jede Sekunde ist vorbei und kehrt nicht wieder.

Wir arbeiten die meiste Zeit des Tages in Berufen, die wir eigentlich nicht ausüben wollen, hetzen nach Feierabend zu weiteren Terminen und erledigen nebenher Einkäufe, Besorgungen und Botendienste. Dazu kommen Freizeitbeschäftigungen, Sport und Hobbys, nicht rasten, immer machen und tun. Wir sind ständig auf der Jagd nach Erlebnissen und dem Besonderen.

Sogar im Urlaub sind wir produktiv. Wir suchen uns besondere Ziele, besondere Orte. Wir stellen Bilder in digitale Netzwerke, erzählen spannende Geschichten, damit alle unsere Freunde sehen und hören, wir verschwenden keine Zeit unnütz, wir nutzen sie sinnvoll.

Früher

Die einfachen Menschen machten sich in der Vergangenheit nicht so viele Gedanken über die Zeit an sich. Jeder Tag hatte seine eigene Plage und es war wichtiger, Essen auf dem Tisch, ein Dach über dem Kopf und Kleidung zu haben. Jeder Tag verging monoton wie der Nächste, ist halt so!

Im Laufe der Industrialisierung leisteten die Arbeiter in den Fabriken täglich für 12 bis 14 Stunden Schwerstarbeit. Ohne Arbeit kein Geld und damit kein Überleben. Sich Gedanken über die vergangene Zeit zu machen wurde von den Alltagsproblemen verdrängt.

Diese Ausbeutung der Arbeiterklasse erzürnte Karl Marx und im Jahr 1844 veröffentlichte er seine Gedanken dazu in seinen „Gesammelten Schriften“. In „Recht auf Arbeit“ erläuterte er, dass jedem ein Grundrecht auf Arbeit zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes zustehe.

Jedoch würden statt 12 Stunden Tagesarbeitszeit auch 6 Stunden ausreichen. Damit wäre der Lebensunterhalt des Arbeiters gesichert. Die Zeit darüber hinaus würde nur das Konto und den Besitz des Arbeitgebers vermehren. Ohne dass selbiger einen Arbeitseinsatz erbringt. Eine leistungslose Vermehrung seines Vermögens also, die Ausbeutung des Proletariats.

Friedrich Nietzsche definierte es so:

„Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch in Sklaven und Freie, denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave.“

Karl Marx‘ Schwiegersohn, Paul Lafargue ging sogar noch einen Schritt weiter in seinen Gedanken. Im Jahr 1880 veröffentlicht er sein Pamphlet „Recht auf Faulheit“ und ist darin erschüttert über die Gier der Arbeiter nach Arbeit:

„Die kapitalistische Moral, diese jämmerliche Karikatur der christlichen Moral, belegt das Fleisch des Arbeiters mit einem Bann. Ihr Ideal ist es, den Produzenten auf ein absolutes Minimum an Bedürfnissen zu reduzieren, seine Vergnügungen und seine Leidenschaften zu unterdrücken und ihn zur Rolle einer Maschine zu verurteilen, die ohne Rast und ohne Dank Arbeit ausführt.“

Kurz gesagt, genau wie sein Schwiegervater ist der der Meinung, dass die Menschen an der Arbeit kaputt gehen und als Ware Mensch ge-/-missbraucht werden.

Seiner Ansicht nach reichen drei Stunden Arbeit pro Tag aus, der Rest des Tages sollte mit faulenzen und feiern verbracht werden. Die Menschen wären dadurch ausgeglichener und könnten sich mehr den schönen Künsten widmen. Bereits damals gab es also schon Überlegungen zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.

Aber als gebildeter Bürger in einem schönen Salon Reden schwingen oder als Arbeiter in einer Armensiedlung täglich schuften, um das Überleben zu sichern – sind halt zweierlei Paar Schuhe.

Die Oberen haben es schön und die Unterschicht darf schuften

Im Mittelalter bestand das Leben eines Burgritters – wenn keine Fehde oder kriegerische Unterstützung seines Lehnherren anstand – aus den Freuden der Jagd und Festbanketten mit Tanz und Unterhaltung durch Minnesängern und Gauklern, die von Burg zu Burg zogen.

Die Bevölkerung, die unter den Grundherren lebte, waren Leibeigene des Burgherren und diesem ausgeliefert. Die Menschen mussten schwer arbeiten, hatten das zu Essen, was der Boden hergab und jeder Winter war eine Herausforderung. Sie konnten nicht lesen und schreiben, galten als unsauber und waren demütige Untertanen. Ihre Kleidung bestand aus kratzender Schafwolle.

Ein Aristokrat im 19. Jahrhundert hatte zur damaligen Zeit ein schönes entspanntes Leben. Der Tagesablauf bestand meist aus spätem Aufstehen, Besuche im Salon empfangen, Briefe schreiben, nachmittags im Park flanieren und abends auf eine Abendgesellschaft gehen.

Die nichtadelige Bevölkerung im 19. Jahrhundert lebte auf Bauernhöfen oder wohnte in den Städten in Mietshäusern mit Ein-Zimmer-Wohnungen mit engen Hinterhöfen und schmalen Gassen.

Die Industrialisierung begann, mehr und mehr Arbeitskräfte wurden benötigt, die Arbeiterklasse entstand. Und damit begann, was wir heute allgemein als Zeitalter des Kapitalismus bezeichnen.

Zeitmanagement oder nutze den Tag im 21. Jahrhundert

Arnold Schwarzenegger bezeichnet sich als Mitglied des 5AM Clubs.

Es handelt sich um keine Vereinigung im Sinne eines Vereins, sondern um eine geistige Zugehörigkeit einer Idee, die der Schriftsteller Robin Sharma in einem Buch veröffentlicht hat.

Die Unterstützer dieser Idee stehen um 5 Uhr morgens auf und nutzen den Tag intensiv, indem sie die erste Stunde nach dem Erwachen für sich selbst beanspruchen. Egal ob mit Sport, Meditation, Lesen eines Buches, Sinn der Sache ist die Konzentration auf sich selbst.

Arnold Schwarzenegger nutzt diese Stunde für sein Fitnesstraining und setzt sich erst danach an seinen Schreibtisch und startet in den Tag.

Mark Wahlberg und Richard Branson sind ebenso überzeugte Mitglieder des 5AM Clubs.

Elon Musk zählt hier schon fast als Langschläfer. Der Milliardär steht erst um 7 Uhr morgens auf. Dafür verzichtet er auf Frühstück und zieht seinen Arbeitstag streng durch. Angeblich kommt er auf eine 90-Stunden-Arbeitswoche. Nur Sonntags nimmt er sich frei und Zeit für die Familie.

Die Zeiten haben sich, wie es scheint, umgekehrt.

Wo früher die Oberschicht sich durch Müßiggang ausgezeichnet hat, haben wir im 21. Jahrhundert das Gegenteil.

Führungskräfte, Unternehmer, Visionäre streben nach ständiger Verbesserung. Ihr Status hängt von ihrer Fleissigkeit ab. Sie könnten jahrelange Auszeiten nehmen und faul sein, tun es aber nicht.

Die heutige Unterschicht zeichnet sich meist durch Herumlungern aus. Sie versteckt sich in Wohnungen mit riesigen Fernsehern in Sozialghettos. Arbeit, Bildung, Motivation wird nicht immer genügend genutzt, die monatliche Stütze reicht für Deckung der einfachen Bedürfnisse aus. Wer in diesem Milieu aufwächst, tut sich schwer, hier raus zu kommen.

Es scheint praktisch, von staatlicher Unterstützung zu leben und sich keine Gedanken über Arbeit zu machen. Frei nach dem Motto, Hartz4 und der Tag gehört dir.

Aber wenn du nichts zu tun hast, ist es uninteressant, faul zu sein.

Ist Faulheit gleich Freiheit?

Immanuel Kant sagt: „Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit“

Mit dem Begriff Faulheit verbinden die meisten von uns eine negative Auslegung.

Wer faul ist, ist unproduktiv, lebt unter seinen Möglichkeiten, leistet keinen Beitrag für die Allgemeinheit und könnte im schlimmsten Fall dieser auf der Tasche liegen.

Einfach gesagt, er verschwendet seine Zeit! Faul darf nur der sein, der sich seine Faulheit durch Arbeit vorher verdient hat.

Dann ist Faulheit eine Tugend.

Der Historiker und Philosoph Andre‘ Rauch ist der Meinung, jemand der faul ist, nimmt sich seine Freiheit.

„Wenn sie mir heute sagen, du bist faul, dann sage ich mir, er behandelt mich als Faulpelz, weil ich nicht tue, was er von mir will. Jemand der faul ist, nimmt sich seine Freiheit. Faulheit ist der höchste Grad der Freiheit: Ich tue nicht, was du von mir willst, ich tue, was ich für mich entscheide! Ah, du willst mich als deinen Knecht, als Sklaven, als Bediensteten! Will mich jemand manipulieren, wenn er mich als faul bezeichnet? Welchen Vorteil, welchen Nutzen will er aus seiner Beleidigung ziehen? Ich versetze mich in seinen Kopf und denke, er will, dass ich für ihn irgendetwas möglichst billig erledige oder in seinem Interesse ein Risiko eingehe. Aber nein, das wird nichts, ich bin nicht von dir abhängig.“

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist Faulheit nicht gern gesehen. Die Nutzung unserer Lebenszeit muss immer einen Sinn ergeben. Ist Arbeit also die Tugend und Faulheit die Todsünde?

Darf ich nur dann faul sein, wenn ich mir die Zeit hierfür durch vorherige Arbeit verdient habe?

Und heute?

Wie bei Momo gibt es auch im wahren Leben die grauen Herren. Sie treten nur in anderer Gestalt auf. Sie verkleiden sich als Lehrer, Bankdirektoren, Versicherungsagenten oder Arbeitgeber.

Sie treiben uns an, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen. Keine Zeit verschwenden, nur nicht faul sein. Immer produktiv, ständig sich weiterbilden, dies fängt bereits bei unseren Kindern an.

Wir sollen arbeiten, um irgendwann viel später die Erlöse daraus mit Zins und Zinseszins zurück zu erhalten? In Form von Gehaltserhöhungen, Rentenauszahlungen, Ansehen und Statussymbolen. Wer rastet, der rostet!

Macht das ein erfülltes Leben aus?

Michael Ende schrieb in seinem Roman Momo:

„Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“

Zeit muss nicht immer sinnvoll genutzt werden. Nimm dir die Freiheit, heute faul zu sein!

Denn morgen bist du eh wieder im Hamsterrad unterwegs. Nur die Wenigsten von uns können jederzeit und ständig über ihre Zeit frei verfügen.

Beppo der Straßenkehrer rät Momo, sie muss unbedingt lesen und schreiben lernen, das ist wichtig. Und Momo antwortet, das ist so schwer, es gibt so viele Wörter. Das ist nicht zu schaffen.

Und der weise Beppo sagt:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat es gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Beppo, der Straßenkehrer aus „Momo“ von Michael Ende

Wer den Film Momo ansehen möchte, und diesen in keiner Mediathek findet: unter https://www.vimeo.com/182277950 werdet ihr fündig

Faulheit – Todsünde oder Tugend? (deutschlandfunk.de) hier ist das ganze interessante Interview mit Andre Rauch zum Thema Faulheit

Die visionäre Kraft von „Momo“: Japans Graue Herren – Literatur – derStandard.de › Kultur Leopold Federmair zieht Parallelen zu den grauen Herren der Neuzeit

Ein ganzes Leben – Vom Glück und Schicksal

Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ erzählt die Geschichte des Andreas Egger, der nahezu sein ganzes Leben in einem kleinen Bergtal zubringt. Ein einfaches und entbehrungsreiches Leben.

Abgegeben als kleiner Bub, ein sogenannter Bankert, ein uneheliches Kind einer Verwandten, landet er um die Jahrhundertwende 1900 auf einem Bauernhof. Der Großbauer nimmt den Buben nicht aus Nächstenliebe und Selbstlosigkeit auf. Die Kindersterblichkeit ist damals groß und günstige Arbeitskräfte werden immer benötigt für die schwere Arbeit auf Hof und Feld.

Der Andreas wächst heran und das Wort Gottes wird ihm regelmäßig mit der Weidengerte von der christlichen Hand des Großbauern eingetrichtert.

Bei einer solchen Züchtigung geht das Bein des Kindes zu Bruch und wird vom örtlichen Knochenrichter notdürftig geschient. Einen Arzt gibt es damals nur in größeren Städten, ein Ortsansässiger mit wenigen ärztlichen Kenntnissen wird als sog. Knochenrichter bei schweren Verletzungen auf den Hof geholt. Andreas Bein wächst nach der dürftigen Behandlung nicht mehr richtig zusammen und der Andreas hinkt Zeit seines restlichen Lebens.

Seine körperliche Anomalie hilft ihm, eine Anstellung bei einer Baufirma zu finden, die eine Seilbahn zum Berggipfel plant und installiert. Der Prokurist der Firma hat Mitleid mit ihm und vor den steilen Berghängen hat der Andreas keine Angst, sind sie doch seine Heimat.

Er verdient erstmals richtig Geld und kann sich davon ein kleines Grundstück auf steiler Anhöhe pachten, sein eigenes Sacherl. Den alten Stadel baut er aus zu einem kleinen Häuschen. Die Steine, die überall verteilt im Gelände verfügbar sind, werden zu einer stabilen Hausmauer.

Mit 29 Jahren lernt er im Dorfgasthaus die schüchterne Marie kennen. Sie kam als arme Magd, in ausgetretenen Schuhen und ohne Hab und Gut ins kleine Bergtal auf der Suche nach Arbeit. Nach Monaten traut sich der Andreas endlich, die Marie um einen kleinen Spaziergang zu bitten. Sie gehen von nun an wöchentlich zusammen nach dem Kirchgang spazieren und auf einer Wanderbank schweigen sie zusammen. Der schweigsame Eigenbrötler und die Schüchterne.

Nach einem Jahr zeigt der Andreas der Marie sein kleines Sacherl und nimmt all seinen Mut zusammen und hält um ihre Hand an.

Geredet wird wenig und nackt ist man nur im Finstern. Das Leben ist einfach und doch schöner zu zweit als allein. Romantik gibt es nur in Büchern, die Realität ist anders.

Die Marie pflegt das kleine Häuschen, legt einen Gemüsegarten an und der Andreas sprengt in den Bergen die Löcher für die spätere Montage der Pfeiler für die Seilbahn.

Das kleine Idyll wird zerstört, als eine Schneelawine eines Nachts das kleine Sacherl mit brachialer Gewalt ins Tal schiebt. Die Marie ist sofort tot und der Anderl überlebt, weil er in den entscheidenden Minuten nachts im Garten zu den Sternen blickt, als das Schicksal so grausam zuschlägt. Mit bloßen Händen sucht er nach seiner Braut. Die Dorfbewohner finden ihn halb erfroren.

Gestrandet in einem kleinen Hinterzimmer des Gasthauses, dass ihm gnädigerweise zur Verfügung gestellt wird, lebt der Andreas fortan nur noch für die Arbeit an der Seilbahn in den Bergen. Jeder Tag ist gleich. Arbeit, ein kärgliches Mahl und traumloser Schlaf. Eine andere Frau wird es in seinem Leben nicht mehr geben

Vom Krieg erfährt er erst, als er 1942 einberufen wird. Brauchte man in den ersten Kriegsjahren die gesunden und jungen Männer, müssen in den letzten Jahren auch die Älteren und Invaliden an die Front. Alle Kräfte mobilisieren für den Endsieg.

Aber Russland ist ein kaltes, weites Reich und viele kommen nicht mehr heim und sterben in der fremden Erde.

Der Andreas überlebt, muss in Kriegsgefangenschaft und ist viele Jahre fern von seinem Bergtal.

Das Schicksal lässt ihn heimkehren und in einem Bretterverschlag hinterm Schulhaus ist er geduldet. Er ist arbeitslos und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

In den 50er, 60er Jahren hält der Fortschritt Einzug im Bergtal. Die Menschen wollen verreisen und Touristen überschwemmen das Tal und fahren mit der etablierten Seilbahn in die Berge.

Aus den Großbauern werden Hoteliers und aus den Hoteliers Millionäre. Bald steht in jedem Haushalt ein Fernsehgerät. Die große weite Welt kommt ins Bergtal, mit ihr die Schauspielerin Grace Kelly, die Mondlandung oder Präsident Kennedy.

Der Andreas findet durch Zufall zum Beruf des Fremdenführer als er verirrte Touristen in den Bergen rettet. Die Berge sind seine Heimat und er kann Geld verdienen und erspart sich die harte Arbeit auf dem Feld. Freilich kann er nicht immer nachvollziehen, warum die Städter beim Anblick der Natur und der Weite von den Berggipfeln verzückt und glückselig strahlen.

“ Offenbar suchten die Menschen in den Bergen etwas, von dem sie glaubten, es irgendwann vor langer Zeit verloren zu haben. Er (Andreas) kam nie dahinter, um was es sich dabei genau handelte, doch wurde er sich mit den Jahren immer sicherer, dass die Touristen im Grunde genommen weniger ihm als irgendeiner unbekannten, unstillbaren Sehnsucht hinterherstolperten.“

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Mit über 70 setzt er sich zur Ruhe. Körperlich kann er nicht mehr und die moderne Welt fürchtet er. Als Einsiedler lebt er ein karges Leben und verlangt sich nicht mehr.

Nur einmal überkommt es ihn, die Sehnsucht nach dem „Draussen“. Er kauft sich ein Busticket und fährt bis zur Endstation. Da bekommt er Panik und fährt wieder mit dem gleichen Bus zurück. Wo wollte er auch hinfahren? Manchmal ist der Sprung ins Neue dann doch zu viel und das Bekannte und Bewährte die rettende Insel. Veränderung bleibt den Mutigen vorbehalten.

Einsam stirbt der Andreas eines Tages auf der Eckbank über seinem Frühstück wo ihn der Postbote drei Tage später findet.

Das Buch hat mich emotional gepackt und lässt mich gedanklich nicht mehr los.

Kann man trotz vieler Schicksalsschläge glücklich und zufrieden sein?

„Man kann einem Mann seine Stunden abkaufen, man kann ihm seine Tage stehlen oder ihm sein ganzes Leben rauben. Aber niemand kann einem Mann auch nur einen einzigen Augenblick nehmen. So ist das.“

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Lebensumstände

Die Umstände, in die wir hineingeboren werden, stellen die Weichen für unser späteres Leben. Sie entscheiden, ob wir leben dürfen, zu Essen und ein Obdach haben, als Frau gleichberechtigt aufwachsen oder unseren Wunschberuf ergreifen dürfen. Ob wir die Chance auf medizinische Versorgung haben oder unserem Überleben schutzlos ausgeliefert sind.

Wäre ich eine Zeitreisende und hätte meine Urgroßmutter, die im Jahr 1898 geboren wurde – so wie ungefähr der Anderl – in ihren Jugendjahren gefragt, was für einen Beruf sie ergreifen möchte und wie sie sich ein erfülltes Leben vorstellt, so hätte sie mich wohl ziemlich lange angeschaut. Bei der Frage nach der Vorstellung ihres Sinn des Lebens hätte sie mir wohl keine Antwort geben können.

Das Leben zu der Zeit war karg und trostlos. Die Arbeit auf dem Feld war hart und jeder Tag hatte seine eigene Plage. Abends fiel man erschöpft ins Bett und musste bereits im Morgengrauen wieder aufstehen um das Vieh zu versorgen. Zu Essen gab es, was man das ganze Jahr über auf dem Feld geerntet hatte. Nur zu hohen Feiertagen wurde eine Kuh oder ein Schwein aus dem Stall geschlachtet.

An Kleidung hatte man nur, was man auf dem Leib trug und eine Festtagstracht für den sonntäglichen Kirchgang. Die Wäsche wurde per Hand gewaschen.

Gab es ein Schulhaus in der Nähe, dass man zu Fuß erreichen konnte, so bestand die Möglichkeit, wenigstens lesen, schreiben und rechnen zu lernen.

Ich denke nach über:

Schicksalsschläge

Lt. Wikipedia ist die Definition für Schicksal:

Der Ablauf von Ereignissen im Leben des Menschen, die als von höheren Mächten vorherbestimmt oder von Zufällen bewirkt empfunden werden, mithin also der Entscheidungsfreiheit des Menschen entzogen sind.

Ein Schicksalsschlag ist also ein einschlägiges Ereignis, gegen das man machtlos ist. Nichts ist mehr wie vorher. Das Leben verändert sich einschneidend und nur der Umgang mit dem Unglück unterscheidet uns Menschen voneinander. Finden wir Trost oder überwiegt die Trauer? Akzeptieren wir den Verlust, die Veränderung oder versinken wir in Zorn und Groll?

Glück

Was ist Glück?

Glück ist eine Momentaufnahme. Wir können glücklich sein, indem wir uns dieses Gefühl selber erschaffen. Durch bewusstes Tun oder Handeln. Oder wir können Glück haben, wenn uns ein Zufall oder eine Fügung dazu verhilft. Ohne dass wir was dafür tun.

Zufriedenheit

Was ist Zufriedenheit?

Zufriedenheit ist ein beständiger Zustand. Ein warmer Gefühlszustand der eng mit Dankbarkeit verbunden ist. Man ist dankbar für das was da ist. Ein innerer Frieden zieht sich wie ein Faden durch unsere Seele. Unsere Gemütslage ist grundsätzlich im Gleichgewicht.

Wobei wir aktiv und passiv zufrieden sein können. Aktiv bedeutet, Aufgaben und Risiken auf mich zu nehmen und für mich entwickeln zu lassen, passiv bedeutet, mit den vorhandenen Umständen einverstanden zu sein.

Wie wäre mein Leben zu Anderls Zeit:

Im Jahr 1920 wäre ich als junge Erwachsene in Andreas Umfeld glücklich und zufrieden, hätte ich ein warmes Zimmer, genug zu essen und wäre nicht Gewalttätigkeit oder Schikane ausgesetzt. Ich wäre eine junge Ehefrau oder Magd auf dem Hof und dem Manne untertan, der mir mein tägliches Überleben sichert. Der Großbauer ist der Herr über Familienmitglieder, Gesinde, Hof und Tiere. Schlüge er mich mit der Geisel tot, wer würde dagegen aufmucken?

Ich wäre in damaliger Zeit vielen Schicksalsschlägen ausgeliefert, viele meiner Kinder würden bei Geburt oder kurz danach sterben. Die Kindersterblichkeit ist hoch, nur wenige Kinder werden erwachsen. Auch sterben viele Mütter im Kindbett.

Es gibt die Szene in Josef Vilsmaiers Film „Herbstmilch“, wo die Magd eine Schüssel voller Blut in den Hof kippt und die kleinen Geschwister fragen:

„haben wir heute eine Sau geschlachtet?“ und die Antwort darauf ist:

„ageh, das ist doch das Blut von der Mama“

grausam, aber traurige Realität im bäuerlichen Alltag in den 20er und 30er Jahren.

Nur die Starken und Gesunden überleben.

Zurück zum Buch:

Robert Seethaler beschreibt viele Alltagssituationen aus der damaligen Zeit nüchtern und sachlich. Und doch spürt man zwischen den Zeilen die Trauer, die in der Erduldung des Schicksals liegt. Die Natur gibt und nimmt, Leben kommt und Leben geht.

Man möchte den Bub Andreas umarmen, als die alte Ahnl vom Hof stirbt, die einzige, die dem Kleinen öfter mal tröstend über den Kopf streicht.

Und man leidet mit, als ihm das Schicksal seine Braut nimmt und er alleine in der Kirchbank sitzt bei der Beerdigung.

Am Ende stirbt der Andreas alleine.

Unglücklich war er nicht am Ende seines Lebens, aber wohl auch nicht glücklich?

Meiner Meinung nach ein weises Buch, das den Blick auf das Wesentliche lenkt.

Was braucht der Mensch im Leben, was braucht sein Gemüt?

Der Mensch lebt nicht vom täglich Brot allein, er braucht auch Liebe und Wärme in seinem Leben. Und kommen noch Glück und Zufriedenheit hinzu, umso besser!

Dreikönigstag – Neuanfang mit Wundern und Glauben aus alter Zeit

Es ist Dreikönigstag

Zeit zum Nachdenken. Die Weihnachtszeit liegt hinter uns. Silvester ist vorbei und das neue Jahr ist angebrochen. Die Weihnachtsbeleuchtung ist abgebaut, die Weihnachtsdekoration wieder in Kisten im Keller eingelagert. Bis zum nächsten Mal, Ende November sehen wir uns wieder.

Wie es Tradition ist, habe ich heute meinen Weihrauchkessel hervorgeholt und mit Kohle und gestückelten Weihrauch gefüllt. Ich entzünde die Kohle und gehe von Zimmer zu Zimmer im Haus und lasse den Weihrauch in jede Ecke strömen und spreche dabei das Vater-Unser-Gebet.

Der Weihrauch segnet unser Haus, vertreibt negative Schwingungen und Energien und erneuert den göttlichen Segen in unserer Familie. Wir sind beschützt und vertrauen auf Gott.

In den Tagen vor dem Dreikönigstag ziehen eigentlich Kinder als Sternsinger verkleidet von Haus zu Haus um den christlichen Segen zu bringen. Mit geweihter Kreide wird „christus mansionem benedicat“ kurz C+M+B an die Haustür geschrieben.

So war es bis letztes Jahr. Im Jahre 2 des Coronavirus holen wir uns den christlichen Segen in der Kirche ab. Keine Sternsinger, die an unserer Haustür klingeln und ein Gebet sprechen.

Im Kirchenkalender ist der 6. Januar der Tag „Epiphanias“ (Erscheinung des Herrn). Das Sichtbarwerden der Göttlichkeit in Gestalt eines Menschenkindes, anerkannt durch die Weisen aus dem Morgenland.

Lt. der Bibel waren es keine „Könige“, die sich damals auf den Weg gemacht haben. Es handelte sich um Sterndeuter bzw. Gelehrte, die eine besondere Sternenkonstellation beobachteten. Und es waren auch nicht nur drei Weise, die sich auf die Reise begaben, sondern viel mehr, lt. Überlieferungen mindestens zwölf. Sie wurden als Gelehrte aus dem Osten, wahrscheinlich aus Persien oder Babylonien, beschrieben, die nach Jerusalem kamen.

Matthäusevangelium 2,9-2,11

„…machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter: da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten Sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. „

Die Weisheit der Menschen zur damaligen Zeit beruhte auf der Beobachtung der Natur, des Sternenhimmels und des Verhaltens der Tiere. Das Erkennen der Zusammenhänge aus diesen Beobachtungen, ist das, was wir heute als Astronomie, Physik, Chemie usw. abgrenzen. Im Zeitalter des Hellenismus waren Sterndeuter wichtige Ratgeber für Könige und Fürsten, in Babylon, Ägypten, China und Indien. Die Sterndeuter lebten an den Königshöfen und waren gebildet und belesen. Ihre Weisheit und Ratgebung wurde dementsprechend versilbert, d. h. sie trugen kostbare Kleider und waren vermögend. Sie entstammten der intellektuellen Oberschicht der damaligen Zeit und kamen aus gebildeten Familien. Vielleicht entwickelte sich dadurch später der Begriff „Könige“, da Sie das Auftreten von Königen hatten?

In der Kunst werden die drei Weisen aus dem Morgenland als die drei Lebensabschnitte des Menschen dargestellt. Caspar ist Kind/Jüngling, Balthasar der Mann in der Blüte seines Lebens und Melchior ein Greis mit weißem Haar/Bart.

In der Literatur sind die drei Weisen aus dem Morgenland stellvertretend die drei (damals im Mittelalter bekannten) Kontinente Europa, Asien und Afrika. Damit ist Mystisch die gesamte Welt zusammengefasst. Zumindest die damals bekannte vor Entdeckung Amerikas und Australiens.

Sie brachten dem Neugeborenen Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Gold dem Menschenkind, Weihrauch dem Gotteserben und Myrrhe als Schutzbalsam dem Gesalbten.

Die letzte und heiligste Rauhnacht

Der 6. Januar ist auch der letzte Tag der „Rauhnächte“.

Die zwölf Rauhnächte zwischen dem 25. Dezember und dem 06. Januar sind laut Glauben aus alter Zeit sehr gefährlich. Die Barriere zwischen Leben und Tod ist sehr dünn und Dämonen und böse Seelen haben leichtes Spiel mit uns Menschen. Das Geisterreich steht offen und die verstorbenen Seelen und Geister haben Ausgang.

Sie können sich uns bemächtigen und uns beherrschen. In diesen zwölf Rauhnächten ziehen die Dämonen mit Hexen und Drud in der „wilden Jagd“ durch die Nacht um Seelen einzufangen und vom rechten Weg abzubringen. Die Percht zieht übers Land und raubt Kinder.

Deshalb sollen wir auch in diesen Nächten keine Wäsche zum Trocknen aufhängen, damit die Dämonen auf der nächtlichen Reise keine negativen Energien in unserer Kleidung hinterlassen können und uns im neuen Jahr krank machen können. Diese Auslegung bezieht sich auf früher, die Wäsche wurde damals zum Trocknen auf Leinen außerhalb des Hauses aufgehängt.

Auch nächtliche Spaziergänge nach dem Abendläuten der Kirchenglocken sind zu unterlassen, die Mitglieder der wilden Jagd bemächtigen sich uns, setzen sich als Ballast auf unsere Schulter, hängen sich an unseren Hals, drücken uns den Atem ab und bescheren uns Alpträume. Ihre negative Energie geht auf uns über und beherrscht uns.

Die Nacht des 5. auf den 6. Januar ist die letzte Rauhnacht, in der die „wilde Jagd“ unterwegs ist. Danach begibt sie sich zur Ruhe und wir können aufatmen.

In unserer Familie wird seit Jahrzehnten in dieser Zeit keine Wäsche zum Trocknen über Nacht aufgehängt. Aberglaube hin oder her, sicher ist sicher!

Neuanfang

So verbindet sich der Glaube an Gott mit dem Glauben an die Natur und den Traditionen.

Die Wilde Jagd ist vorbei, Gott ist (wieder) erschienen und alles ist auf Neuanfang eingestellt. Das neue Jahr hat nun definitiv begonnen.

Ein mystischer Tag!

Hygge – was wir von den Dänen über glücklich sein lernen können

Hygge – das Wort klingt nach Schluckauf. Gemeint ist aber ein dänisches Lebensgefühl.

Es gibt keine richtige Übersetzung dafür ins Deutsche. Interpretiert wird es mit den Worten „gemütlich“ „zufrieden“ „angenehm“ „nett“ „wohnlich“

Gemeint ist damit eine Lebensweise, die das Zuhause als Rückzugsort und Entschleunigungspuffer zum „Draußen“ in den Vordergrund stellt. Die dänische Gemütlichkeit definiert sich über Alltagsrituale sowie einen entspannten Lebensrhythmus. Lebensfreude steht im Vordergrund, Genuss und Geselligkeit. Dänen sind tolerant und offen, sie vertreten ein offenes Weltbild.

Jedoch sind auch die Dänen Gefangene der heutigen Schnelllebigkeit und wie wir alle auf der Suche nach ständiger Selbstoptimierung.

Ständiger Leistungsdruck und Verfügbarkeit, immer auf der Überholspur.

Die Zeit rennt und vergeht immerzu. Sind wir tagsüber unterwegs im grauen Arbeitsalltag, stressigen Meetings, nervigen Staus auf den Straßen, gefangen in Kundenterminen, so sehnen wir uns nach einem Gegenpol. Ein Ort, der Stress reduziert und uns Entspannung bringt. Wo wir die Widrigkeiten des Lebens beiseite schieben und den Leistungsdruck ablegen. Eine Oase der Gemütlichkeit für uns und unsere Familie.

Können uns die Dänen zeigen, wie Glücklichsein besser geht?

Hygge definiert sich über folgende Ansichten zu Wohnen, Einrichtung, Kleidung, Essen, etc.:

Im Hygge-Lebensstil spielt das richtige Licht eine große Rolle. Damit ist aber nicht eine große grelle Lichtquelle im Raum gemeint. Viele kleine Lichtquellen im Raum verteilt, erzeugen ein angenehmes Gefühl und vermitteln eine wohlige Wärme. Dies kann durch eine indirekte Beleuchtung geschehen, oder ganz altmodisch durch Kerzenlicht. Einzelne Kerzen im Raum spenden kleines Licht und das gelegentliche Flackern entspannt die Seele. Wer ein offenes Kaminfeuer zuhause hat, weiß wovon ich spreche. Beobachte eine Zeit lang das Spiel des Kaminfeuers und du wirst merken, wie du dich entspannen kannst und der Alltagsstress von dir abfällt. Die Zeit dehnt sich aus, der Moment zählt.

Die Wohnungseinrichtung nach Hygge richtet sich nach natürlichen Materialien. Die Bestandteile sind aus Holz, Wolle, Rattan, Leder, Fell ausgewählt. Im Hyggehaushalt gibt es kein Plastik und keine Kunstfasern, hier sieht man Tisch- und Bettwäsche aus Leinen und Baumwolle. Auch Metalllampen finden sich hier nicht und Schüsseln aus poliertem Edelstahl werden nicht verwendet. Sie vermitteln ein „kaltes“ Gefühl und damit das Gegenteil von der hyggeligen Gemütlichkeit.

Die Gemütlichkeit wird hergestellt durch entsprechende Wohnaccessoires. Ein flauschiger Teppich, wollene Decken und Kissen auf dem Sofa laden jederzeit zum Verweilen ein.

Wie in den Wohntextilien, so spiegelt sich auch im Kleidungsstil der Dänen Hygge wider. Große Oversized-Pullover, flauschige Schals, Beanies, lange Mäntel und Kaschmirhosen. Die Kleidung ist gemütlich, sie engt nicht ein und ist angenehm zu tragen. Das heißt nicht, dass hier Jogginghosen-Feeling zelebriert wird, auch Natürlichkeit kann stylisch sein.

Die gewählten Farben nach Hygge definieren sich nach natürlichen Farbtönen. Überwiegend dominiert hier weiß als Grundton und wird mit den Farben grau, braun, sand, grün und blau ergänzt. Auch Pastellfarben sind eine gute Ergänzung und lockern das weiße Grundgerüst auf.

Ein dänischer Haushalt ist nicht überladen mit Möbelstücken. Einfache und nützliche Möbel, ohne verspielte Schnörkel, keine unzähligen Beistelltische oder Schrankwände bis zur Decke reichend. Der skandinavische Lifestyle definiert sich über klare, teils schlichte Möbel.

Im Hygge spielt Kochen eine große Rolle. Essen wird vorbereitet, gemeinsam gekocht und der Genuß steht im Vordergrund. Kein striktes Kalorien zählen, man freut sich auf gemeinsames Genießen, Probieren und entspannte Gespräche am runden Tisch. Diskussionen über Politik werden überwiegend vermieden, im Vordergrund steht die Harmonie, das Zusammensein und Achtsamkeit.

Ebenso zelebriert der Däne die Teestunde am Nachmittag, ähnlich wie dies auch der Brite tut.

Hygge lenkt den Fokus auf den Augenblick und auf das menschliche Mitteinander. Damit hat Hygge viel mit Minimalismus gemeinsam. Der Blickwinkel von der Gesellschaft, die im Überfluss nach Zufriedenheit strebt, hin zu denen, die durch Reduktion den Wert im Kleinen schätzt, ändert sich. Ich muss nicht immer noch mehr an Besitz anhäufen, ich nutze was verfügbar und da ist. Ich genieße den Moment.

Nachhaltiger leben, nutzen was vorhanden ist, kleine Glücksrituale, all das erzeugt die Gemütlichkeit, die wir oft vergebens woanders suchen.

Hygge ist Geselligkeit, die von Herzen kommt.

Lt. dem Weltglücksreport der Vereinten Nationen, die jährlich seit dem Jahr 2012 aus 156 Nationen die gefühlte Zufriedenheit und das Glücksempfinden der Bevölkerung erforschen, belegt Dänemark jährlich einen der ersten drei Plätze. Zum Vergleich, Deutschland schwankt zwischen 15. und dem 20. Platz.

Durch Hygge sorge ich für mich selbst. Ich lasse mich nicht von äußeren Umständen meiner Lebensfreude berauben und achte darauf, dass es mir gut geht.

Meine innere Ruhe bewahre ich mir.

Wäre Hygge auch was für dich?

Kleopatra – eine moderne Frau

Alexandria, im Jahr 48 vor Christus.

Das Geschenk kommt an. Ein starker Diener trägt einen kostbaren eingerollten Perserteppich. Es war zu damaliger Zeit üblich, üppige Gastgeschenke zu überreichen, um Abgesandten von verbündeten Ländern die Ehre zu erweisen.

Der 52-jährige Gaius Julius Cäsar ist in Alexandria eingetroffen um die Lage vor Ort zu prüfen. Kurz zuvor war sein Feind Pompeius, der sich vom Schlachtfeld bei Pharsalos nach Ägypten flüchtete, von den Ägyptern hingerichtet worden. Ägypten war römischer Verbündeter, wollte sich aber nicht in den römischen Bürgerkrieg einmischen und Partei zwischen den verfeindeten Fronten Pompeius und Cäsars ergreifen. Die Bitte des Pompeius um Asyl wurde blutig unterbunden.

Zurück zum Teppich. Er wird ausgerollt und zum Vorschein kommt die bis dahin im Exil lebende ägyptische Königin Kleopatra. Sie ist 21 Jahre alt und anscheinend eine sehr zierliche Person, da Sie im Teppich unerkannt bis zu Cäsars Gemächern im Palast vordringen konnte.

Diese Idee war die einzige Möglichkeit, direkt zu Cäsar persönlich vorzudringen. Als verbannte Königin im Exil durfte sie nicht offiziell nach Alexandria reisen. Die Möglichkeit einer Gefangennahme oder heimlichen Ermordung durch die Entscheidungsträger im Dienste Ihres Ehemannes war zu gefährlich. Ihre Feinde wussten um ihren Briefwechsel mit Cäsar und vor den Toren Alexandrias lauerten die königlichen Wachen, um sie zu ergreifen.

Diese gewagte Aktion beeindruckt Cäsar immens. Ob in dieser Nacht oder kurz darauf, jedenfalls entwickelt sich danach eine Liebesaffäre, die in der Geburt des Sohnes Ptolemaios Cäsar, genannt Cäsarion, ein Jahr später Früchte trägt. Ob Cäsar wirklich der biologische Vater ist, ist geschichtlich nicht vollkommen geklärt. Allerdings war die Teppichaktion im September und im Dezember wusste Kleopatra sicher, dass sie schwanger war.

Jedenfalls stritt Cäsar die Vaterschaft nicht ab. Dies tat auch nichts zur Sache. Ein ägyptischer Sohn konnte sowieso keinen Anspruch an römisches Erbe stellen. Deshalb bestimmte Cäsar als rechtlichen Nachfolger seines Vermögens und aller politischen Ämter in Rom seinen Großneffen Octavian.

War es politisches Kalkül, oder fand Kleopatra den 31 Jahre älteren Mann sexy und interessant? Cäsar war ein eitler Mann, hielt strenge Diät um schlank zu bleiben und litt leider schon ziemlich unter spärlichem Haarwuchs. Er wusste sich aber zu helfen, wie auch andere Männer mit Haarausfall in der heutigen Zeit dies tun: Er kämmte seine verbliebenen Strähnen von hinten nach vorne.

Tatsächlich profitierten beide Seiten von dieser Verbindung.

Kleopatra sicherte sich die Stellung als wichtige römische Verbündete am Nil. Außerdem half Cäsar ihr, ihren verhassten Bruder zu entsorgen und Sie als Alleinherrscherin auf dem Thron zu etablieren. Die sogenannte Geschwisterehe war eine makedonische Tradition, die den Fortbestand des königlichen „reinen“ Blutes sichern sollte. Eigentlich war Kleopatra nämlich Makedonierin. 300 Jahre zuvor kämpfte Ptolemäus der I. an der Seite von Alexander des Großen. Durch die Erfolge auf dem Schlachtfeld bekam er damals als Kriegsbeute das Gebiet um Oberägypten zugeteilt. Der Invasor kam und blieb und aus seiner Linie entstanden männliche Nachkommen, immer genannt Ptolemäus und weibliche Nachkommen mit den Namen Kleopatra oder Berenike oder Arsenoe.

Kleopatra war genaugenommen Kleopatra VII. Ihr Vater bestimmte sie zu seiner rechtmäßigen Nachfolgerin. Als er starb, kam die damals 18-jährige schon früh auf den Thron. Und mit ihr ihr damals 10-jähriger Bruder Ptolemäus XIII als Brudergemahl. Dies war aber nur formal. Historiker gehen nicht davon aus, dass hier tatsächlich jemals eine sexuelle Beziehung entstand.

Kleopatra traf bereits in ihren frühen Regentschaftsjahren wichtige Entscheidungen , war sehr belesen und sprach mindestens 6 Sprachen fliessend. Aus schriftlichen Überlieferungen geht hervor, dass sie als junge Herrscherin klug und umsichtig ihr Reich verwaltete. Und das mit 18 Jahren!

Die Berater und Erzieher ihres Ehemannes schafften es jedoch erfolgreich zu intrigieren und Kleopatra innerhalb von 3 Jahren ins Abseits zu drängen. Dies war wohl auch einem schlechten Erntejahr und einer daraus resultierenden Hungersnot geschuldet, dass das Volk erfolgreich gegen die Königin aufgehetzt wurde. Sie floh nach Oberägypten/Theben und beobachtete von hier aus die Lage. Die Ankunft von Cäsar in Alexandria war ihre Chance. Und als kluge Frau fand sie eine Lösung für ihr Problem.

Cäsar befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Zenit seiner Macht. Sein Feind Pompeius war tot und dessen Unterstützer untergetaucht. Der junge ägyptische Herrscher Ptolemäus XIII wollte in einem Blitzkrieg militärisch gegen die römischen Truppen vor Alexandria vorgehen, hatte jedoch keinen Erfolg. Er ertrank während der Schlacht im Nil. Damit war der Weg frei für Kleopatra, wieder als rechtmäßige Königin und vor allem allein zu herrschen.

Cäsar blieb einen ganzen Winter in Alexandria. Eine gemeinsame wochenlange Schiffahrt auf dem Nil bis nach Oberägypten zur Besichtigung des gesamten Reiches ist geschichtlich überliefert. Sie unterhielten sich in Griechisch, der gehobenen Sprache der damaligen Zeit. Kleopatra sprach kein Latein.

Wäre die Verbindung von Cäsar und Kleopatra nur eine geschäftliche Angelegenheit gewesen, so wäre ein längerer Aufenthalt von Cäsar in Alexandria nicht nötig gewesen. Cäsar war also offensichtlich vernarrt in die junge Frau und dehnte seinen Aufenthalt aus. Sie hatten sozusagen einen gemeinsamen Honeymoon auf dem Nil.

Die Ägypterinnen kleideten sich damals nach griechischem Vorbild und waren Vorreiter, was Kosmetik und Körperpflege anbelangte. Anhand von Grabbeigaben und Wandgemälden kann man nachvollziehen, wie die reiche Ägypterin zur damaligen Zeit ihren Körper pflegte.

Das Makeup bestand aus einer hellen Tongrundierung. Die Körpercremes hatten als Fettbestandteil Rizinus und Olivenöl. Lidschattenvarianten gab es in blau aus geriebenem Azurit, grün aus Malachit und rot aus Ocker. Als Kajal wurde Asche verwendet und mit dem Halbmetall Antimon vermischt. Durch das Antimon wurde das Gemisch antiseptisch, schützte vor Pilzen und Bakterien und reizte nicht das Auge. Mit einem dünnen Spatel wurde das Produkt aufgetragen. Der Nagellack bestand aus Henna. Verwahrt waren die ganzen Schönheitsprodukte in einer Holzschatulle mit separaten Fächern für die Salben, Öle und Schminkdosen. Fertig ist der Schminkkoffer der Ägypterin!

Außerdem war es in Ägypten Gewohnheit, den Körper vollständig von allen Körperhaaren – außer den Kopfhaaren und Augenbrauen – zu befreien. Dies galt auch für die Männer. Als Grabbeigaben fand man feine Kämme und kleine Messerklingen und Pinzetten. Zusammengefasst heißt das, untenrum waren in Ägypten alle blank. In Rom war dies nur bei den Frauen der Fall, Männer ließen die Körperhaare sprießen. Außer Octavian, der spätere Kaiser Augustus. Hier ist überliefert, dass er sich von Zeit zu Zeit die Intimbehaarung mit brennenden Nüssen abfackelte. Eine interessante Methode!

Im Frühjahr 47 vor Chr. reiste Cäsar zurück nach Rom. Zu seinem Triumph über die Eroberung der Gebiete Gallien, Ägypten, Pontos und Mauretanien fand ein tagelang rauschendes Fest in Rom statt. Durch Einladung Cäsars weilte auch Kleopatra zu dieser Zeit mit Gefolge in Rom. Sie war untergebracht in einem von Cäsars Häusern jenseits des Tibers, während Cäsar mit seiner römischen Frau Calpurnia nicht weit entfernt in einem weiteren Haus wohnte. Eine delikate Angelegenheit! Ob sich die Geliebte und die Ehefrau je bei einem Festbankett trafen? Cäsar besuchte fast täglich seinen Gast und in Rom blieb dies nicht unbemerkt. Obwohl es in Rom üblich war, eine Ehefrau und nebenher eine Geliebte gleichzeitig zu unterhalten, so war das Volk in Rom doch aufgebracht über diese Menage a trois.

Cäsar ließ in Rom einen Venustempel zu Ehren seiner Ahnenfamilie, der Julier, erbauen und darin eine goldene Statue mit den Gesichtszügen von Kleopatra als göttliche Inkarnation aufstellen. War dies ein Liebesbeweis, eine Ehrung der göttlichen Monarchin im Dienste Isis oder einfach nur die Geste eines Verliebten? Die Römer waren jedenfalls wegen dieser Aktion empört. Der berühmte Cicero konnte das impertinente ägyptische Flittchen partout nicht ausstehen und ließ sich in seinen überlieferten Briefen über ihren Hochmut aus und wie unsympathisch sie wäre. Vielleicht war er auch nur beleidigt, weil er nicht ständig zu ihren Festbanketts geladen war und seiner Bitte nach Originalschriften aus der berühmten Bibliothek in Alexandria nicht entsprochen wurde?

Im Jahr 44 vor Chr. kehrte Cäsar von seinem Spanienfeldzug nach Rom zurück in die Arme der Geliebten. Kleopatra war zu diesem Zeitpunkt immer noch oder nach einem zwischenzeitlichen Ägyptenaufenthalt wieder zurück in Rom. Dies weiß man nicht sicher. Daheim in Alexandria ist alles geregelt und die Amtsgeschäfte laufen wie geplant weiter. Die Kornkammern sind gefüllt, die Ernte ist gut und die jährliche Überschwemmung ist im Rahmen. Alles ist bestens.

Insgesamt ist Kleopatra etwa 2 Jahre in Rom.

Das politische Klima verändert sich. Ägypten ist eine Monarchie, Rom eine Republik. Kleopatra hat Probleme mit der Republik. Entscheidungen werden in Rom im Senat besprochen und gemeinsam zum Wohle des Volkes entschieden. Kleopatra beeinflusst Cäsars politische Entscheidungen.

In Rom kursieren Verschwörungstheorien. Die Hauptstadt des römischen Reiches solle nach Alexandria verlegt werden, die Republik würde abgeschafft und durch eine Monarchie ersetzt werden? Und sehe man die Vorzeichen nicht schon, in dem sich Cäsar als göttlicher Herrscher verehren ließe? Tatsache ist, dass Cäsar sich immer mehr Macht sichert und es gärt im Staat.

Eine Senatorengruppe ergreift die Chance zur Machtübernahme. Cäsar wird heimtückisch mit 23 Messerstichen ermordet am 15. März 44 vor. Chr.

Kleopatra flüchtet aus Rom heim nach Alexandria. Sie hat in Rom keine Verbündeten und im Testament Cäsars ist nicht ihr Sohn der Erbe aller Ämter und Eigentums sondern der Großneffe Octavian, der spätere Kaiser Augustus. Octavian ist erst 18 Jahre alt, kränklich, schwächlich und man traut ihm die Herrschaft über Rom nicht zu. Außerdem ist er wohl von kleinem Wuchs gewesen, es ist überliefert, dass er Plateausandalen getragen hat um dieses körperliche Manko auszugleichen. Ja, die gab es damals schon!

Deshalb wird ein neues Triumvirat gegründet. Politik/Justiz, Finanzen und Außendienst, die Ämter werden von Octavian, Lepidus und Marcus Antonius übernommen. Ebenso erklärtes Ziel der drei ist es, die Cäsarenmörder zur Strecke zu bringen. Die eingezogenen Gelder und Vermögen der Meuchelmörder und ihrer Unterstützer landen in der Kriegskasse.

Im Jahr 42 v. Christus ist Marcus Antonius als Feldherr erfolgreich und verweilt in Tarsos auf Kilikien. Von hier aus schickt er eine Nachricht an Kleopatra und verlangt ihre Anreise. Es gilt zu klären, ob Kleopatra auch weiterhin Verbündete Roms ist.

Kleopatra hat Marcus Antonius bereits in Rom kennengelernt. Antonius war außerdem als junger Soldat im Dienste Pompeius. Es ist möglich, dass er Kleopatra bereits als 15-jähriges Mädchen kannte, als Pompeius seinerzeit in Alexandria ihren Vater aufsuchte.

Antonius ist mittlerweile mit 41 ein Mann in den besten Jahren. In Rom ist er als Lebemann bekannt. Dazu ist er stattlich und muskulös. Dem Wein sehr zugetan und gesellig. Kein Festbankett ohne ihn, keine Schauspielerin im Amphitheater, mit der er keine Affäre hat. Cicero schrieb über ihn, seine Muskeln wären besser entwickelt als sein Gehirn.

Aber Antonius ist ein erfolgreicher Mann. Mehrere siegreiche Schlachten haben Rom Land und Gelder gesichert. Die Besitztümer Pompeius hat er zu Geld gemacht, auch wenn er sich hier die große prunkvolle Villa Pompeius für sich selbst billig abzweigte.

Dieser Antonius ist nun in Tarsos und schreibt an Kleopatra. Und Kleopatra nutzt diese Gelegenheit äusserst wirkungsvoll.

Ihr Einzug in Tarsos ist folgendermaßen überliefert:

In einer goldenen Galeere kam sie im Hafen an. Sie trug ein durchscheinendes Gewand, an ihrer Seite waren schöne Mädchen als Nereiden kostümiert, ebenso Lustknaben. Ein Teppich aus fünfzig Meter dick verstreuten Rosenblättern war ausgebreitet. Ein wahres Venus-Bankett in hocherotischer Atmosphäre. Antonius erschien an Bord und im mehrere Tage dauernden Festschmaus war die Verbindung politisch und lustvoll besiegelt.

Zum zweiten Mal hatte Kleopatra den mächtigsten Mann Roms auf ihre Seite gebracht. Antonius folgte ihr nach Alexandria und blieb als Privatmann 40 v. Chr. für ein Jahr bei ihr. Plutarch, der griechische Schriftsteller schreibt von andauernden Festbanketten, rauschenden Partys und dass man sich nachts zum Spaß verkleidet unters einfache Volk mischte. Ein wahres Lotterleben!

Cassius Dio, ein römischer Geschichtsschreiber:

„Inzwischen verliebte er (Antonius) sich in Kleopatra, die er in Kilikien zu Gesicht bekommen hatte, und kümmerte sich seitdem nicht mehr um Würde und Anstand, sondern diente der Ägypterin wie ein Sklave und vergeudete die Zeit mit seiner Leidenschaft für sie.“

Cassius Dio – Römische Geschichte

Nach einem Jahr reiste Antonius zurück nach Rom. In Rom war man nämlich von seiner Abwesenheit nicht begeistert. Schön und gut, dass man sich anderweitig amüsierte, aber es galt wichtige militärische Operationen vorzubereiten! Um seine Verbundenheit mit Rom zu zeigen und speziell Octavian zufrieden zu stellen, heiratete er die Schwester Octavians, Octavia. Seine Frau Flavia war kurz vorher an einer Krankheit verstorben. Insgesamt blieb er drei Jahre fern von Alexandria und Octavia gebar währenddessen zwei Töchter.

In Alexandria gebar Kleopatra die Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene nach der Abreise von Antonius. Der „Sohn der Sonne und die Tochter des Mondes“. Wie sie die Eheschließung von Antonius wohl aufnahm?

Die Spannungen zwischen Antonius und Octavian nahmen in den nächsten Jahren zu und führten schließlich dazu, dass Antonius seine Frau Octavia, die mit der dritten Tochter schwanger war, alleine nach Rom zurück schickte und selbst nach Syrien weiterreiste.

Von hier aus entsann er sich seiner ehemaligen Geliebten Kleopatra und seiner mittlerweile drei Jahre alten Kinder, die er noch nie gesehen hatte. Er schickte nach ihr und sie nahmen ihre Beziehung wieder auf. Warum Kleopatra nachgab? Nun, sie war nicht dumm, sie war sich der Spannungen im Mittelmeerraum bewusst. Sie weiß, dass Antonius im Kampf gegen die Parther Unterstützung braucht. Diese kann sie mit Kriegsschiffen und Goldmünzen liefern, sie erhält dafür die Verfügungsmacht über wie wichtigsten Handelsplätze der damaligen Zeit: Phönizien, das Nabatäerreich und die Weihrauchplantagen von Judäa. Antonius erkannte die dreijährigen Zwillinge von Kleopatra als seine Kinder an und im Jahr 36 v. Chr. kam ein weiterer Sohn namens Ptolemaios Philadelphos dazu.

Antonius und Kleopatra agierten von nun an gemeinsam.

Octavian und Antonius waren nun völlig zerstritten. Octavian warf Antonius die Verschleuderung römischer Provinzen im Osten vor und die Anerkennung Cäsarions als leiblichen Sohn Cäsars. Im Jahr 32 v. Chr. reichte Antonius die rechtskräftige Scheidung von Octavia ein und heiratete in einer griechischen Zeremonie die ägyptische Königin. Außerdem verfasste er sein Testament und benannte die Kinder von Kleopatra als seine Erben.

Für Octavian war dies die Kriegserklärung. Antonius war nun ein Feind Roms und es galt, das ägyptische Reich mit seinen östlichen Verbündeten zu unterwerfen.

Die Schlacht bei Actium im September 31 v. Chr. war ein entscheidender Wendepunkt. Octavian war mit 100.000 Soldaten, 12.000 Reitern, tausenden Pferden und 500 Kriegsschiffen haushoch überlegen.

Nach und nach brachen Antonius die Verbündeten weg und schließlich stand am 01. August 30 v. Chr. Octavian vor Alexandria und die Hauptstadt fiel fast kampflos.

Kleopatra hatte sich mit all ihrem Goldschatz in ihrem vor Jahren erbauten Mausoleum verschanzt. Wieder war sie ein kluge Taktikerin. Sie wusste, dass der Goldschatz eine gute Verhandlungsbasis bot. Octavian musste seine zahlreichen Soldaten bezahlen, die Feldzüge hatten ein Vermögen verschlungen, Rom war immens verschuldet. Auch wollte sie das Überleben ihrer Kinder mit dem Goldschatz erkaufen. Cäsarion, inzwischen 16 Jahre alt, hatte sie bereits vorher erfolgreich außer Landes bringen können. Er war auf dem Meerweg nach Indien. Octavian würde das Leben des leiblichen Sohnes Cäsars mit Sicherheit nicht schonen.

Auf dem Schlachtfeld außerhalb Alexandrias stürzte sich Antonius, ob der Schmach, nach römischer Tradition in sein Schwert, starb aber nicht sofort.

Schwer verletzt brachten ihn seine Soldaten zu Kleopatra. Es ist überliefert, dass sie ihn an Seilen zu den Fenstern hochgehievt haben und er in Kleopatras Armen am 01, August 30 v. Chr. verstarb. Er war 53 Jahre alt.

Kleopatra war nun allein. Was sollte sie tun? Ägypten war verloren und nun in römischer Hand. Die Aussicht, als Kriegsgefangene nach Rom gebracht zu werden und im Triumphzug Octavians an Ketten durch die Stadt geschleift zu werden, lehnte sie für sich als Demütigung ab. Sie hatte dies bei Cäsars Triumphzug bereits gesehen, wie die Kriegsgefangenen erst dem Volk vorgeführt und später ermordet wurden.

Sie plant ihren Tod als letzten klugen Schachzug.

Inmitten des Goldschatzes wurde ein Korb mit Feigen gefunden. Man geht davon aus, dass mit den Feigen Giftschlangen in das Mausoleum geschmuggelt wurden.

Die ägyptische Königin stirbt an dem Gift der Schlangen. Die Schlangen waren das Symbol der pharaonischen Herrschaft. Sie war nur 39 Jahre alt.

Die Kinder der Kleopatra, sind der Gnade Oktavians ausgeliefert.

Der Erstgeborene Cäsarion wird aufgespürt und ermordet. Die anderen drei Kinder, deren Vater Markus Antonius ist, werden nach Rom gebracht und in Fesseln im Triumphzug Octavians dem römischen Volk vorgeführt. Sie wachsen im Haushalt von Octavia auf mit den anderen Kindern Antonius und später verliert sich ihre Spur in der Geschichte.

In die Geschichte ging Kleopatra als prunkvolle Herrscherin und erotische Verführerin der mächtigsten Männer Roms ein.

Wird ihr das gerecht?

Kleopatra nur auf ihren Sexappeal zu reduzieren, ist beschämend.

Sie war eine kluge und belesene Frau. Am Hofe Alexandrias residierten zahlreiche Wissenschaftler, Philosophen und Astronomen. Auch in ihrer Zeit in Rom lud sie die römischen Gelehrten zu Diskussionen ein. Sie wollte sich fortbilden und verstehen. Während sich die reichen römischen Ehefrauen damals nur für Mode und Frisuren interessierten, wollte Kleopatra die Entstehung der Republik ergründen und verstehen.

War Kleopatra schön?

Überliefert von Plutarch ist diese Beschreibung:

„Denn an und für sich war ihre Schönheit, wie man sagt, gar nicht so unvergleichlich und von der Art, dass sie beim ersten Anblick berückte, aber im Umgang hatte sie einen unwiderstehlichen Reiz, und ihre Gestalt, verbunden mit der gewinnenden Art ihrer Unterhaltung und der in allem sie umspielenden Anmut, hinterließ einen Stachel“

Plutarch – Große Griechen und Römer

Kleopatra war redegewandt. Von klein auf wurde Sie in Diplomatie geschult und dies war später von Vorteil in ihren Verhandlungen. Sie lernt, wie man argumentiert und logisch denkt. Ihre Erziehung ist nach griechischem Vorbild geprägt.

Die berühmte Bibliothek in Alexandria lagerte eine halbe Million Papyrusrollen, zu damaliger Zeit eine Unmenge an Wissen. Bestimmt ist hier Kleopatra täglich ein und aus gegangen und hat sich mit Lesestoff versorgt.

2050 Jahre später:

Den Leuchtturm von Alexandria gibt es nicht mehr, die berühmte Bibliothek ist abgebrannt. Auch das Mausoleum ist verborgen im Sande Alexandrias. Bis heute wurde das Grab von Kleopatra und Antonius nicht gefunden.

Den Glanz vom einstigen Ägypten gibt es nicht mehr, alle Spuren sind verwischt.

Täglich Milliarden Fotos, das fotografische Sehen hat sich verändert

Jeden Tag entstehen Milliarden von Fotos, werden gespeichert auf verschiedenen Datenträgern wie Telefon, Tablett, Notebook, PC und Kamera-Speicherkarten.

Wir fotografieren uns selbst im Portrait, als Selfie, im Profil, unsere Haustiere, unser Essen, Urlaubslandschaften, Hotelfronten, Cocktails, und und und…. um Momente und Stimmungen in unserem Leben zeigbar zu machen. Ein Leben digital aufbereitet und für die Nachwelt haltbar gemacht.

Kaum zu glauben, dass dies vor hundert Jahren noch völlig anders war. Ein Foto war seinerzeit eine seltene Momentaufnahme um bestimmte Lebensabschnitte zu verewigen. Eheschließung, Familienfotos und die Aufnahmen der jungen Männer und Frauen, die vor dem Frontantritt und Wehrdienst noch ein Foto zur Erinnerung für die Familie in Auftrag gaben. Ein ganzes Familienleben in einem einzigen Album zusammengefasst.

Ein Foto zu erstellen, war früher eine aufwendige Angelegenheit. Für ein Foto wurde ein Fotografieatelier aufgesucht, die Ausrüstung war klobig und schwer und hatte einen festen Stellplatz im Atelier. Die Pose für das Foto musste mehrere Minuten eingehalten werden, solange bis die Belichtung des Fotos abgeschlossen war. Vielleicht lächelt deshalb auch niemand auf den frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Mehrere Minuten lang lächeln? Da wird aus jedem fröhlichen Grinsen eine verzerrte Mimik.

In den Jahren ab 1860 entstand die sogenannte Reisefotografie, d. h. Fotografen zogen durchs Land mit Ihrer Fotoausrüstung und machten Naturaufnahmen, die in ersten Reisebänden veröffentlicht wurden. Und auch Krisengebiete und der Amerikanische Bürgerkrieg konnten mit Fotografien dokumentiert werden. Mit den folgenden Jahren hatten auch die unteren Gesellschaftsschichten die Möglichkeit, ein Familienfoto zu erhalten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Fotografien im Alltag etabliert. Erst aber nur als Unikate. Mit Erfindung des Negativ-Positiv-Verfahrens war man plötzlich Imstande, Fotos zu vervielfältigen. Und nach Einführung des Rollfilms, der sofort mehrere Fotos hintereinander ermöglichte, ergaben sich ungeahnte Möglichkeiten.

Meine Vorfahren damals in Christianberg/Böhmen – Vor Krieg und Vertreibung
Meine Großmutter, sitzend mit Ihrer jüngeren Schwester – entstanden in den 50er Jahren

In manchen alten Spielfilmen sieht man noch Sequenzen, wo Fotografen Ihre Abzüge in Dunkelkammern herstellen und zum Trocknen ausbreiten. Heutige Teenager können mit solchen Handlungen nichts mehr anfangen, eine quasi antike Tätigkeit. Vergleichbar mit dem Wählscheibentelefon!

Die ab den 90er Jahren entstandene Digitalfotografie führte nun zur heutigen Bilderflut. Der Speicherung auf digitalen Datenträgern sind keine Grenzen gesetzt. Aufnahmen entstehen und werden binnen Sekunden gespeichert und können bearbeitet, vervielfältigt auf sämtliche Medien verbreitet werden. Vorteil und Nachteil? Der gläserne Mensch hat nicht mehr die völlige Kontrolle über seine entstandenen Fotos. Einmal gespeichert sind diese auf ewig im Universum der Digitalität hinterlegt.

Als Erfinder der ersten lichtbeständigen Fotos gilt der Franzose Joseph Nicephore Niepce (1765-1833). Er schaffte es ab 1798, Bilder auf eine Fläche zu projizieren, die dann auf Chlorsilberpapier sichtbar wurden. Jedoch verblassten diese nach einigen Stunden wieder. Das Verfahren war noch nicht ausgereift. Im Jahr 1826 schaffte er es jedoch, das erste dauerhafte Bild entstehen zu lassen, der „Blick aus dem Arbeitszimmer“ gilt als erstes Foto.

Aber die Belichtungszeit von 8 Stunden war das Problem. Personen oder bewegliche Sachen fotografieren war damit noch kein Thema. Wie konnte man diese verkürzen?

Louis Jaques Mande Daguerre (1787-1851) war fasziniert von der Arbeit von Niepces und schaffte es mit Hilfe von Quecksilber, die Belichtungszeit zu verkürzen. Dies geschah durch Zufall. Aufgrund schlechten Wetters brach er einen Fotografieversuch ab und verstaute die Fotoplatte im Schrank. Als er die Platte einige Zeit später wieder aus dem Schrank holen wollte, sah er, dass sich darauf das Bild abzeichnete. Irgendetwas im Schrank musste dies bewirkt haben? Nach mehreren Versuchen mit Fotoplatten und sämtlichen Chemikalien seines Schrankes kam er darauf, dass Quecksilberdämpfe die Ursache waren.

Ein grandioser Zufall! Die Belichtungszeit verkürzte sich dadurch auf 4 Minuten im Sommer und 10 bis 15 Minuten im Winter.

Im Jahr 1839 erhielten die Pioniere durch die französische Regierung das Recht, dieses Verfahren der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ab dem Jahr 1840 entstanden die ersten Fotoateliers, auch in Deutschland. Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck waren die ersten Kunden, von denen Personenaufnahmen erstellt wurden.

Nun blieb nur noch das Problem, das jedes Foto ein Unikat war. Bei Verlust oder Zerstörung war das Foto unwiederbringlich verloren. Wie konnte man davon Duplikate herstellen?

Die Lösung hatte 1835 William Henry Fox Talbot durch das sog. Papier-Negativ-Positiv-Verfahren (Kalotypie) und später im Jahr 1851 Frederick Scott Archer mit seinem Nassen Kollodiumverfahren. Die Verfahren zur Herstellung von Fotoabzügen waren aber enorm aufwendig.

1871 gelang Richard Leach Maddox mit einer Silberbromid-Gelantine-Schicht eine weitere Verbesserung. Die Erfindung des Rollfilms im Jahr 1889 von George Eastman war dann der Durchbruch. Jetzt konnte man gleich mehrere Fotos hintereinander machen und auch das Entwickeln und Abziehen war problemlos möglich. Die Firma Kodak entstand und das Fotogeschäft entwickelte sich zum Weltmarkt.

Ab dem 20. Jahrhundert war die Fotografie plötzlich ein Massenmarkt. Für jeden möglich und erschwinglich, nicht nur für gut betuchte Kunden.

Oben das Elternhaus meines Urgroßvaters am Grandsberg bei Schwarzach, Unten meine Urgroßeltern mit Ihren Kindern in Wetterstein bei Allersdorf

Das Verfahren hierzu ist von Beginn an bis heute gleich: Ein Apparat erzeugt durch Licht Bilder, mit Hilfe von lichtempfindlichen Stoffen wird das Bild haltbar gemacht.

Ein Foto ist Erinnerung, ist Emotion, ist Kunst, ist Freude, eine einmalige Momentaufnahme, gebannt für die Ewigkeit. Ich schaue auf meine Vorfahren und suche Ähnlichkeiten, ich erahne ihre Gefühle und Stimmungen. Ich erinnere mich an schöne Natur, an einzigartige Momente.

Vielen Dank an die Pioniere und Tüftler, die dies ermöglichten!

Familienbande – in guten und in schweren Tagen

Es heißt, die Seele im Universum sucht sich die Familie aus, in der sie Mensch werden will.

In der Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch ist es der göttliche Funke, der von Engeln ausgeführt wird und den göttlichen Plan erfüllt.

Und damit startet mit der Fleischwerdung das, was man Familie nennt. Die Verbindung von Samen und Eizelle zweier Lebensgefährten zur nächsten Generation. Familie anhand der Blutlinie. Die biologische Familie.

Daneben ist Familie aber auch jede andere gegründete Lebensgemeinschaft von Personen, die sich aus freiwilligen persönlichen Gründen zusammen schließen und nach Außen als Lebensgemeinschaft auftreten. Eine Person + eine unbegrenzte Anzahl von Personen

Der Begriff Familie

Der Begriff Familie ist abgeleitet aus dem lateinischen „familia“ und heißt übersetzt soviel wie „vielschichtig“. Daraus folgt, der Begriff war nie eindeutig auf die Kerngemeinschaft Vater-Mutter-Kind beschränkt. Dies wurde uns von Staat und Kirche so vermittelt aus vermeintlich sittlichen Gründen. Der Staat braucht regelmäßig neue Staatsbürger und spätere Steuerzahler und die Kirche „erlaubte“ Geschlechtsverkehr nur zu Zeugungszwecken.

Also sind Familie ebenso gleichgeschlechtliche Paare, Patchwork-Stieffamilien, Fernbeziehungen, eheliche und nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende mit leiblichen, adoptierten oder Pflegekindern, Regenbogenfamilien (gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern) sowie Empty-Nest-Paare (ungewollt kinderlose Paare). Auch eine Wohnungsgemeinschaft zwischen platonischen Freunden kann Familie sein. Die juristische Bezeichnung „Angehöriger“ bezieht sich auf die Gewährung von Privilegien, die einem fremden Dritten außerhalb dieser Gemeinschaft nicht zugestanden werden, z.B. Wohnrecht, Erbrecht. So lautet zumindest die juristische Definition für Angehörige.

Bei in Kraft treten des bürgerlichen Gesetzbuches am 01. Januar 1900 im wilhelminischen Kaiserreich wurde als Familienoberhaupt der Vater gesetzlich bestimmt. Damit oblag die Entscheidungsgewalt über die Familie alleine dem Vater. Er bestimmte, wo man wohnte, wofür Geld ausgegeben wurde und verwaltete das Familienvermögen.

Bis zum Jahr 1958 hatte der Mann die alleinige Entscheidungsgewalt über die Finanzen! Unfassbar! Und der Mann konnte entscheiden, ob seine Frau eine Arbeitsstelle annehmen durfte! Erst ab dem Jahr 1958 hatten Frauen ein gesetzliches Recht, ein eigenes Konto zu eröffnen und zu verwalten. In vielen patriarchalischen Familien bestimmt heutzutage noch immer das älteste männliche Familienmitglied alles in und um die Familie. Eine schreckliche Vorstellung!

Erziehung und Werte

Die Familie, in die wir hinein geboren werden, prägt uns von Anfang an bewusst und unbewusst. Im Laufe unseres Heranwachsens übernehmen wir von unseren Eltern Traditionen, Werte, Weltbild, Konfliktbewältigungsstrategien und Prägungen, die unsere Eltern ihrerseits von deren Eltern übernommen haben. Da werden Konflikte lauthals ausgetragen, in einer anderen Familie schweigt man sich gegenseitig an und Konflikte gären im Untergrund weiter. Mancherorts herrschen strenge Regeln, feste Essenszeiten, frühes Zubettgehen, wenig materielle Geschenke. Anderenorts ist Kind König und bestimmt Tagesablauf und degradiert seine Eltern zu Untertanen. Lieber autoritär oder antiautoritär erziehen?

All dies wird uns zeitlebens prägen. Fühlen wir uns angenommen von jedem Elternteil, dürfen wir uns entwickeln, werden wir aufgrund unserer Individualität geschätzt, unsere Fehler akzeptiert? Ist unser Elternhaus ein Ort wo wir uns wohlfühlen und löst der Gedanke an unsere Eltern eine innere Wärme aus? Denken wir gerne an unsere Kindheit zurück?

Wird der Bruder oder die Schwester bevorzugt, weil er oder sie schöner, erfolgreicher ist? Drängen uns die Eltern in eine Konkurrenzkampfsituation? Wer ist das Lieblingskind? Kann ein Geschwisterkind die Eltern emotional leichter manipulieren um an das jeweils Gewünschte zu kommen?

Auch wenn Eltern behaupten, dass sie keine Unterschiede zwischen ihren Kindern machen, ist doch wissenschaftlich was anderes bewiesen. Liebevolle Eltern werden dies jedoch nie zugeben und leugnen. Jeder Elternteil hat unterbewusst ein Kind lieber, das Kind das einem selbst am Ähnlichsten ist. Dabei wird nicht nach Geschlecht unterschieden. Also doch „Muttersöhnchen“ und „Papas Mädchen“?

Wahlverwandtschaften

Mit der Auswahl unseres Lebenspartners treten auch andere Angehörige in den Dunstkreis unserer neu gegründeten Familie. Und diese Personen empfinden wir als Bereicherung oder Belastung. Sei es die einmischende Schwiegermutter, der sympathische Schwager, der lustige Schwiegeronkel, die verbissene Schwägerin. Ebenso Kinder des Partners aus früheren Beziehungen und damit verbunden auch immer wieder die Ex-Partner im Schlepptau.

Alle diese Personen werden regelmäßig unseren Alltag beeinflussen, mal mehr mal weniger.

Nimmt man das ganze Paket dazu in Kauf?

Der eigene Partner muss schließlich ebenso klar kommen mit seinen Schwiegereltern, der pflegebedürftigen Oma, dem neugierigen Onkel.

Verlust von Familienmitgliedern

Der Verlust von Familienmitgliedern ist immer schmerzhaft. Die Auflösung der Großeltern- und Elterngeneration rückt einen selbst gefühlt in die Nähe der Sterblichkeit. Der Tod der eigenen Kinder (auch der ungeborenen) nimmt den unbeschwerten Blick auf die Zukunft, die logische Rangfolge des Ablebens ist unterbrochen.

Die Scheidung vom Partner erzeugt Konflikte, Schuldzuweisungen und auch Schuldgefühle. Nur selten gelingt es getrennten Partnern, sich einvernehmlich zu einigen. Sei es im Hinblick auf Sorgerecht und Besuchsrecht für die Kinder oder gütlicher Trennung des Hausstandes und Eigentums. Respektvoller Umgang mit Menschen, Gefühlen und Besitzwerten.

Niemals auf dem Rücken der Kinder Rachegefühle und Schuldzuweisungen abladen! Wer Kinder als Werkzeug seiner eigenen geistigen Unzulänglichkeit benutzt ist in meinen Augen kein geeigneter Erziehungsberechtigter!

Der trennende Partner wird Schuldgefühle entwickeln, ob seine Entscheidung richtig war. Ihm wird von Außen vorgeworfen werden, das Familienglück aus vermeintlich selbstsüchtigen Gründen zerstört zu haben. Versagensängste und Schuldgefühle sind bei Trennungen von toxischen und gewalttätigen Personen sehr häufig anzutreffen. Warum habe ich mich nicht früher getrennt? Warum mussten meine Kinder dies alles mit ansehen/erdulden?

Dem verlassenen Partner wird die Entscheidung abgenommen. Er hat sein Schicksal zu akzeptieren. Das Selbstbewusstsein schwindet, war man nicht gut, schön, begehrlich, fürsorglich, wertvoll genug? Wann war die Beziehung am Kippen, während man selbst die Anzeichen nicht sah? Hat man den Partner als selbstverständlich angenommen oder war die Brille zu rosarot?

Was macht Familie im Idealfall aus?

Geborgenheit und Unterstützung

Menschen, die gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen

Liebevoller Zuspruch und tröstende Worte

Sicherheit und Schutz

Vermittlung von Liebe

Ist deine Familie dein geistiges Zuhause?

08.05.2020 – Deutschland 75 Jahre ohne Krieg im eigenen Land

Am 07.05.1945 endete mit der Unterzeichnung der Kapitulationserklärung in Reims das „1000-Jahre-währende-Nazireich“. Reims, wo früher die französischen Könige gekrönt wurden.

Der König ist tot, lang lebe der König!

Der Führer hatte sich am 30.04.1945 nachmittags mit Selbstmord still und leise der Verantwortung entzogen und die Kapitulation war von da an nur noch eine Frage der Zeit.

Zurück blieb eine Trümmerlandschaft, geschätzte 60 Millionen Tote aus allen beteiligten Nationen, 17 Millionen Vermisste. 8 Millionen deutsche Soldaten befanden sich in Kriegsgefangenschaft, 14 Millionen deutsche Zivilisten wurden aus den Ostgebieten vertrieben und in Deutschland selbst befanden sich 12 Millionen sogenannte „displaced persons“, befreite Juden aus den Konzentrationslagern und verschleppte Ausländer, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Menschen die keine Heimat mehr hatten und nun nicht wussten wohin.

Deutschland lag in Trümmern, allein die Schuttberge wurden auf 400 Millionen Tonnen geschätzt. Teils dauerte die Schuttbeseitigung bis in die 60er Jahre. Und manche Städte haben seitdem Berge, die vor dem Krieg nicht da waren.

An Infrastruktur gab es nicht mehr viel, Wohngebiete waren zerstört und Transportwege stark eingeschränkt. Brücken existierten nicht mehr, Stromleitungen waren geschmolzen und fließend Wasser gabs nur teilweise.

Die Nahrungsmittelversorgung war zusammengebrochen und Lebensmittel von nun an Mangelware. War die Versorgung in den Kriegsjahren durch den Nachschub aus den besetzten Gebieten im Osten gesichert, so kam nun nichts mehr. Während des Krieges hungerten die Deutschen nicht, aber danach. Täglich musste man stundenlang vor Geschäften anstehen um für die wenigen Lebensmittelmarken Brot, Butter, Milch zu erhalten. Als Grundbedarf wurden 1.000 Kalorien pro Erwachsenem berechnet und danach die Lebensmittelmarken ausgestellt. Also Diätportionen für Alle! Es folgten die Hamsterfahrten aufs Land, wo sich die Städter mit Tauschgeschäften zusätzliche Lebensmittel sicherten und der Schwarzmarkt begann zu wachsen. Wertvollstes Gut waren Zigaretten. Bis zur Einführung der neuen Währung im Jahr 1948 dauerte der „Lockdown“ nach dem Krieg.

Zu Kriegsende hatte die NSDAP insgesamt 6,5 Millionen eingetragene Mitglieder. 65% aller Beamten in Deutschland, 80% der Richter waren Mitglied, ebenso 491.000 Lehrer und 72.000 Ärzte. Als Mittäter und Unterstützer des Naziregime hätten eigentlich 3,5 Millionen Menschen angeklagt werden müssen, letztendlich wurden aber nur 1.654 Hauptschuldige rechtskräftig verurteilt. Eine unglaublich kleine Anzahl. Über 2,5 Millionen Verfahren wurden vorzeitig amnestiert. Viele ehemalige Nationalsozialisten stellten sich sog. Persilscheine gegenseitig als Entlastungszeugnisse aus und konnten somit ihren Kopf aus der Schlinge ziehen. Für die Wiederaufnahme der öffentlichen Ordnung wurden mangels ausgebildetem Personal auch wieder viele ehemalige Nazis auf ihre vorher besetzten Stellen eingesetzt. Traurig, aber wahr! Die Besatzer blickten nicht mehr durch, wer letztendlich schuldig war und wer nicht und im Rahmen des Wiederaufbaus spielte das letztendlich eine immer kleinere Rolle. So konnte z. B. ein früherer Gestapochef später als Oberverwaltungsgerichtsrat in Baden-Württemberg Karriere machen. Völlig legal!

Schon Erich Kästner sah frühzeitig voraus, das plötzlich jeder nichts gewusst haben will von Verbrechen und Völkermord: „Die Unschuld grassiert wie die Pest“

Am 08.05.1949 wurde schließlich das Grundgesetz verabschiedet. Inspiriert durch die im Jahr 1948 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) eingeführten Konvention der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Verhütung und Bestrafung von Völkermord. Das Resultat aus dem „Nürnberger Prozeß“. Inwieweit ist ein ganzes Volk schuldig? Sind Befehle der Obrigkeit bedingungslos zu befolgen ohne moralisches Urteil, ohne Unrechtsbewusstsein?

Das Grundgesetz ist die Grundlage unserer Demokratie. 146 Artikel verankern unsere Grundrechte. Sie binden alle Staatsgewalt als unmittelbar geltendes Recht. Dies ist auch aus heutiger Sicht wichtig, da in Zeiten von Corona teils Gesetze geändert und verabschiedet werden, die die Gefahr bergen, das Grundgesetz in einzelnen Bereichen auszuhebeln oder zu unterwandern. Seien wir stolz auf unser Grundgesetz, aber auch wachsam.

Die Verfassung der vereinigten Staaten von Amerika gilt immer noch in der Urfassung der Gründerväter, die diese im Jahr 1787 verabschiedeten. Alte, weiße Männer mit Perücken. Sie bestand nur aus 7 Artikeln, die später um 27 Artikel ergänzt wurden. Frauenrechte, Religionsfreiheit, Rassenunterschiede – in der Urfassung wurden diese Bereiche nicht berücksichtigt. Und auch ansonsten führt die Interpretation der Verfassung durch die vergleichsweise wenigen Artikel vor den obersten Gerichten der USA zu unterschiedlicher Auslegung und Anwendung.

Rückblickend hat sich viel getan im heutigen Deutschland, Wiederaufbau, Überstehen der Nachkriegsjahre, Jahre des Wirtschaftswunders, Zittern zu Zeiten des kalten Krieges, und schließlich der Bau und Fall der Berliner Mauer, im Jahr 1990 endlich wieder vereint.

Noch heute werden jedes Jahr 5.000 Bomben entschärft, immer noch 10.000 de von ihnen vermutet man im Boden. Nach 75 Jahren!

Der damalige „Lockdown“ dauerte drei Jahre. Die Wohnsituation war bescheiden, man lebte mit fremden Menschen in einer Wohnung, die einem von Amts wegen zugeteilt wurden. Es war unklar, ob man am nächsten Tag etwas zu essen hatte, die Nahrungsversorgung war miserabel. Die Angehörigen waren teils in alle Winde zerstreut und Nachrichten und Briefe ein seltenes Gut. Unsere Vorfahren haben all dies ausgehalten und überlebt.

Unser Kühlschrank ist gefüllt, die Läden sind voll, alles für den täglichen Bedarf und darüber hinaus täglich verfügbar. Wir können uns digital jederzeit mit allen Menschen verbinden und Nachrichten online abrufen. Wir haben Strom und fließend Wasser.

Noch nie war es so einfach, von zu Hause aus – auf der Couch liegend – eine Krise durchzustehen!

Drehen wir allen Ernstes nach jetzt sieben Wochen von Einschränkungen schon durch?

Italien – Dieses Jahr ist alles anders

Jedes Jahr an oder um Pfingsten starten wir, d. h. der Mann und ich unsere Urlaubsaison mit einer Reise nach Italien.

Italien, mein persönlicher Wunschort der Sehnsüchte und Sinnesfreude. Denk ich an Italien, denk ich an Spaghetti frutti di Mare, Bruscetta, Ricotta, Parmesan, grünleuchtendes Olivenöl und dickflüssigen Balsamico. Die Meeresbrise und frischen Fisch genießen in einem Lokal direkt an der Strandpromenade. Nirgends schmeckt Fisch so lecker wie direkt am Meer. Und natürlich hausgemachter Limoncello vor Ort. Jahrelang haben wir flaschenweise Limoncello nach Hause mitgebracht um dort festzustellen, dass sich der besondere Geschmack und das Urlaubsfeeling eben nicht konservieren lassen.

Und der Espresso! Bist du in Italien, so mach es wie die Italiener. Espresso wird morgens, mittags und abends getrunken, meist im Stehen, kurz bei einem Schwätzchen und dann geht’s wieder an die Arbeit. „Non stare li con le mani in mano

Übrigens, Cappuccino trinken Italiener nur zum Frühstück – wenn überhaupt – und nicht nach 11 Uhr vormittags. Wir hatten uns die ersten Urlaubstage gewundert, dass der Kellner beim Cappuccino bestellen die Stirn runzelte und die Nase rümpfte, inzwischen unterlaufen uns derartige Fehler natürlich nicht mehr. Acqua in bocca – psst

Es gibt schließlich Regeln zu beachten. In Bayern wird die Weißwurst schließlich auch VOR 12 Uhr mittags gegessen, und niemals mit Ketchup! Tradition ist Tradition.

Dieses Jahr ist alles anders. Die Grenzen sind dicht und das gelobte Land scheint unerreichbar entfernt. Der Zauber vom sonnigen Süden bleibt hinter den Alpen verborgen.

Noch im Jahr 2019 war Urlaub in Italien unkompliziert, einfach und jederzeit möglich. Suchend im Internet geschmökert, sich von Bildern inspirieren lassen, und sich von Seite zu Seite weiter geklickt. Unbekannte Orte gegoogelt und neue Reiserouten erstellt oder in Reiseblogs abgefragt. Das Hotel abends gebucht, per Kreditkarte bezahlt und sich ans Packen gemacht. Morgens die Reisetasche in den VW-Bus geladen und gestartet in Richtung Italien. Sechs Stunden später Ankunft in Rimini genau im Zeitplan des Navigationssystems. Stau und Behinderungen, alles wurde minutengenau berechnet und berücksichtigt. Die Wettervorhersage noch vorher gecheckt, juhuu die nächsten Tage werden sonnig und warm! Ciao a tutti

Und nun fühle ich mich ins Jahr 1980 zurück versetzt, als Urlaub in Italien für uns Kinder wie eine Weltreise anmutete und ans Meer zu gelangen wahres Glück und sehr rar war.

Reisen ohne Navi, ohne Smartphone, nur mit einem Faltplan und hoffen, sich nicht zu oft zu verfahren. Vorher Geld wechseln und Filme für den Fotoapparat kaufen, nicht auszudenken, dass keine Fotos mehr Platz haben auf den mitgebrachten Filmen. Kleidung für alle Gelegenheiten eingepackt, könnte ja zwischendurch regnen. Genügend Musikkassetten einpacken damit einem nicht fad wird.

Gestresst am Urlaubsort angekommen, abends unbedingt die Eltern und Oma zu Hause anrufen und mitteilen, dass man gut angekommen ist. Mit Glück hat man eine Telefonzelle bereits beim Ankommen im Hotel in der Nachbarschaft entdeckt. Unvorstellbar heute, dass früher die Angehörigen Stunden und manchmal Tage auf Nachricht gewartet haben und man telefonisch einfach nicht erreichbar war.

Auch Sonnenbrand war an sich nicht tragisch. Das schlechte Gewissen darüber verschwand mit den abfallenden Hautresten. Der Urlaubstag war ausgefüllt mit sich in der Sonne brutzeln lassen, dazwischen abkühlen im Meer und lässig schlummern in der Strandliege. Aufgeschreckt durch das Rufen des Cocobello-Mannes, wie köstlich sind die Kokosnuss-Schnitzel, so was kannte man früher nicht im fernen Deutschland.

Am Strand kiloweise Muscheln gesammelt und nach Hause transportiert, in Gläsern dekoriert, verbastelt und teils heute noch aufgehoben. Erinnerungen an viele Urlaube, jedes Jahr neue Muscheln aus Italien.

Und nach dem Urlaub wieder zurück über den Brenner nach Hause. Einreihung in die Völkerwanderung per Autokorso. Wieder glücklich daheim, Erinnerungen im Gepäck sowie italienischen Schinken, Wein und Kaffee.

1970 war Italien das begehrteste Urlaubsziel der Welt. Mit Zunahme der Mobilität rückten andere Länder in den Vordergrund. Spanien, Portugal, Kroatien, Ungarn, der Deutsche reiste gern und viel, ob per Auto, Camper, Wohnmobil oder Motorrad. Jedes Jahr aufs Neue, neue Reiseziele neue Entdeckungen.

Oh bitte, WANN DÜRFEN WIR WIEDER REISEN?

NON CI PIOVE – ICH ZWEIFLE NICHT DARAN


In Zeiten der Stille

sortieren sich die Menschen in zwei Kategorien.

Es gibt zum Einen Jene, die die verordnete Auszeit durch den Corona-Virus genießen. Endlich mal dem täglichen Hamsterrad entkommen, kein sollte noch, müsste noch….. Genug Zeit für sich selbst, um in Ruhe Gedanken sortieren, die Natur erkunden oder einfach mal nix tun.

Dann gibt es noch die Anderen, die der Gedanke an Stille in Panik versetzt. Die mit sich selbst überfordert sind. Die Gedanken kreisen im Kopf, der Körper wird unruhig, das Nixtun belastet mehr als es entspannt.

In der Corona-Virus-Zeit sortiert die Zwangsbeschäftigung mit uns selbst jeden Einzelnen in die jeweilige Kategorie. Wer in sich selbst ruht, übersteht diese Zeit unbeschadet und hat keine Probleme, sich anderen Wegen zuzuwenden, liest bisher ungelesene Bücher, macht lange Spaziergänge, blickt nach vorn. Genießt die nun vorhandene Mehr-Zeit mit dem Partner und Familie, macht Pläne.

Wer die ganze Zeit an sich selbst vorbeigelebt hat, ist nun gnadenlos mit sich selbst konfrontiert, muss sich eingestehen was bisher verdrängt wurde und ist dazu aufgefordert, mit seinen Gefühlen nun aktiv umzugehen. Ist der eingeschlagene Weg noch richtig? Ist man Entscheidungen aus dem Weg gegangen oder hat man sie bewusst verdrängt? Ist der Partner noch der Richtige? Fällt das Zusammenleben leicht, bereichert es?

Es hilft der Gedanke „es geht vorbei“