
Wolfgang Amadeus Mozart, geboren am 27.01.1756 in Salzburg ist als Wunderkind und Ausnahmetalent in die Geschichte eingegangen.
Denkt man an Mozart, denkt man an den Musikunterricht in der Schule, an die Zauberflöte, an Allegro, an Menuetto und dergleichen, an den armen, verkannten Künstler, der letztendlich ohne große Trauergemeinde in einem Allgemeingrab in Wien beigesetzt wurde, da für eine standesgemäße Beerdigung kein Geld da war.
Umso überraschter war ich, als ich letztens die Biographie von Wolfgang Amadeus Mozart gelesen habe und sich herausstellte, dass der Künstler in seinen besten Jahren als freischaffender Künstler in Wien ab 1782 ein stattliches Jahresgehalt von bis zu 10.000 Gulden bezog, nach heutiger Kaufkraft entspricht dies etwa 300.000,00 EUR. Zum Vergleich, ein Universitätsprofessor verdiente damals im Jahr ungefähr 300 Gulden, ein Dienstmädchen gerade mal 12 Gulden im Jahr!
Das Gehalt setzte sich ungefähr so zusammen: Ungefähr 5.000 Gulden Verdienst stammten aus den Kompositionen als freier Künstler, ein jährliches Gehalt von 800 Gulden erzielt durch die Kompositionen als königlich-kaiserlicher Kammermusikus für saisonale Tänze (ein denkbar einfacher Job für Mozart, der in einer Stunde so manches Stück entwarf) und 1000 Gulden für die Tätigkeit als Pianist. Zusätzlich kostete eine Stunde Klavierunterricht bei Lehrer Mozart 2 Gulden. Insgesamt also lief alles bestens für die Familie Mozart.
Wo blieb also das ganze verdiente Geld?
Nun, mit dem musikalischen Erfolg wuchsen auch die Ansprüche. Schließlich war man nun WER. Das hieß von nun an Logie in einer stattlichen 7-Zimmer-Wohnung in Wien mit angemietetem Stall und 2 Reitpferden. Die Wohnung hatte sage und schreibe 145 qm, für damalige Verhältnisse riesig. Dementsprechend wurden eine Vielzahl von Dienstboten benötigt, Reinigungspersonal, Kindermädchen, Reitknechte, Kutscher usw. Überliefert ist auch, dass die Familie Mozart seinerzeit einen eigenen Billardtisch besaß, das absolute Statussymbol, vergleichbar heute mit dem Ferrari in der Garage. Aber das Hauptaugenmerk des Hausherrn lag in edlem Tuche, immer neuerer Kleidung aus bestem Samt, feinste Brüsseler Spitzen und einer Auswahl an verschiedenen Pelzen. Ebenso traf man sich gerne in den Salons der Herrschaften zum Karten- und Billardspiel. Inwieweit Mozart sich hier auf teure Wetteinsätze einließ oder ob er gar spielsüchtig war, ist alles Spekulation.
Dem Vater Leopold kam wohl irgendwann auch zu Ohren wie gut man es sich in Wien gehen ließ und er schrieb erzürnte Briefe. Auch als ihm von einem Hausball bei den Mozarts berichtet wurde, wo man bis zu 13 Stunden am Stück feierte und tanzte, grämte sich der Vater in Salzburg.
Einige Jahre ging das süße Leben gut, aber ab dem Jahr 1786 häuften sich die finanziellen Probleme. Die Kompositionen kamen nicht mehr so gut beim Publikum an. Zu viele ernste Themen wurden darin verarbeitet, damit konnte das einfache Volk nicht viel anfangen. Das Publikum wendete sich langsam ab. Mozart erbettelt sich von Freunden das Reisegeld und reiste nach Berlin und Prag um hier wieder anzuklopfen und Erfolge zu feiern. Der Erfolg blieb aus und Mozart kehrte wieder nach Wien zurück. War das Geld wieder mal allzu knapp, schrieb er einen eindringlichen Bittbrief an seinen Freund Johann Michael Buchberg, einen Wiener Tuchhändler. 21 Stück an Bittbriefen sind überliefert und der Freund half auch immer wieder aus, wenn auch nicht immer in gewünschter Höhe.
zum Beispiel:
„…Wenn sie die Liebe und Freundschaft für mich haben wollen, mich auf ein oder zwei Jahre mit ein- oder zweitausend Gulden gegen gebührende Interessen zu unterstützen, so würden sie mir auf Acker und Flug helfen. Sie werden gewiss selbst sicher und wahr finden, dass es übel, ja unmöglich zu leben sein, wenn man von Einnahme zu Einnahme warten muss…“
„…Nun sehe ich mit Sehnsucht einer Antwort, aber wirklich einer angenehmen Antwort entgegen – und ich weiß nicht – ich kenne sie einmal als den Mann, der so wie ich, wenn es anders kann seinen Freund, aber wahren Freund, seinen Bruder, aber echten Bruder, gewiss unterstützt. Wenn sie vielleicht sobald nicht eine solche Summe entbehren könnten, so bitte ich Sie, mir wenigstens bis morgen ein paar hundert Gulden zu leihen…“ (Juni 1788)
Das Problem ist wie immer, nach oben können die Ansprüche endlos wachsen, nach unten gewöhnt man sich nur wieder schwer an einfachere Verhältnisse. In eine kleinere Wohnung, was werden wohl die Nachbarn sagen? Die ganzen Statussymbole verkaufen und zugeben, dass man Probleme hat? Hm, schwierige Situation.
1791 komponiert Mozart zu Hause in Wien die Zauberflöte. Endlich wieder ein Erfolg. Jedoch nur beim einfachen Volk, der Adel interessiert sich nicht mehr für Mozart.
Am 05.12.1791 stirbt der Ausnahmekünstler an einer Infektionskrankheit. Geld ist keines mehr da, er wird in einem Gemeinschaftsgrab in Wien beigesetzt. Nur fast 35 volle Lebensjahre waren ihm vergönnt.
Die damalige Zeit war geprägt von hoher Sterblichkeit. Vor allem die Säuglingssterblichkeit übertraf alles. Von den 7 Kindern des Vaters Leopold überlebten nur Wolfgang und seine Schwester, das Nannerl. Von den 6 Kindern von Wolfgang und Constanze Mozart überlebten wiederum nur 2 Söhne die Kinderzeit. In dieser Hinsicht verschwendete man nicht viele Gedanken an Altersvorsorge. Man war den Mächten hilflos ausgeliefert.
Gesundheit war wichtig. Auch heute im Hinblick auf das Corona-Virus sollte wir uns nicht zu viel an Besitz und Vermögen klammern, sondern uns mehr auf den Erhalt unserer Gesundheit und andere Werte besinnen wie Familie, Glück, Zufriedenheit.
War für Mozarts Leben der Nutzen aller Vorzüge, die das Geld ermöglichten nicht viel besser? Hat Mozart in diesem Sinne nicht alles richtig gemacht?
Geht es uns denn nicht allen so, in der Welt in der es Essen und Trinken in Überfluss vorhanden ist, wie Mozart.
Das Leben, dass wir leben wird doch immer schneller, lauter und abstrakter. Jeder muss das Beste im Job machen, weil er Angst hat ihn nicht zu verlieren. Jeder schaut bevor er sein Zuhause verlässt zum Nachbarn rüber, ob sich da was neues getan hat. Jeder hofft, dass er vom anderen als „normal“ empfunden wird und versucht auch deshalb nicht sonderlich aufzufallen.
Je mehr man hat umso schneller möchte man noch mehr. Man ist nie zufrieden mit dem was man hat, denn es könnte ja immer noch ein wenig mehr sein.
Diese Art zu leben ist in unserer Gesellschaft heutzutage leider normal geworden und niemand denkt so richtig darüber nach, weil es halt der Alltag ist.
Dann wird man krank. Vielleicht, wie ich, unheilbar krank. Und dann sieht man das Leben mit anderen Augen. Das Leben in dem man vorher Vollgas gegeben hat, weil man dachte „ohne mich funktioniert nichts“ bremst einem plötzlich aus. Booooom!!!
Aber jeder Rückschlag kann auch ein Neuanfang sein. Ich habe gelernt, dass ich so schnell mit meinem Körper unterwegs war, dass meine Seele und mein Geist nicht mehr mitgekommen ist.
Nun heißt es zu reagieren. Ich versuche nun die kleinen Dinge im Leben zu sehen. Meinen Körper mal eine Auszeit zu geben, damit mich meine Seele und mein Geist langsam wieder einholen kann.
Wenn man einer Studie glaubt, dann kommen die glücklichsten Menschen aus den ärmsten Ländern, weil sie halt die kleinen Dinge im Leben erkennen und die Natur noch schätzen.
Die Natur, die sich momentan eine Auszeit von uns Menschen nimmt.
Vielen Dank für deinen Kommentar <3
Du machst es völlig richtig meiner Meinung nach. Leider wurdest du aus den falschen Gründen zum Umdenken gebracht, ich hätte dir die Einsicht und den Neuanfang ohne deine Krankheit gewünscht.
In der Vergangenheit waren wir halt vom Schicksal sehr verwöhnt, Kleidung, Essen, alles war stets verfügbar. Keiner musste sich so richtig Sorgen machen, Arbeitsplatzverlust konnte innerhalb kurzer Zeit behoben werden, Gesundheitsversorgung in Deutschland dank Krankenversicherungspflicht gesichert.
Aber der Mensch ist gierig, so sind wir wieder bei den Ansprüchen. Immer mehr, größer, schneller, weiter....
Wann ist die Grenze zwischen "wow, der genießt sein Leben" und "puh, jetzt übertreiben's aber" überschritten?
Dabei liegt das Glück des Menschen doch in den kleinen unsichtbaren Dingen (Gefühle, Sinne, Empfinden) und den Wundern der Natur (Sonne, Erde, Wasser, Luft)
"Die Beschäftigung und Gebundenheit an Besitz ist mehr als alles andere der Grund dafür, warum die Menschen ihr Leben nicht frei und auf erhabene Weise leben können." (Russell)
In diesem Sinne genieße den Moment, das Leben ist schön!